RBS verringert die Kapitaldecke zu einer ungünstigen Zeit
Beim dritten Mal Pech?

Der Kauf von ABN Amro hat die Kapitalbasis der britischen Bank hauchdünn werden lassen. Es wäre nicht verwunderlich, wenn sich RBS in die lange Schlange der Banken einreiht, die frisches Kapital suchen. Aber RBS verfügt über Vermögenswerte, die sich veräußern lassen und kann umfangreiche Barmittel freisetzen. Dennoch ist der, gemessen an der Vergleichsgruppe, deutliche Bewertungsabschlag an der Börse wahrscheinlich gerechtfertigt.

Die Royal Bank of Scotland hat sich eine gefährliche Zeit ausgesucht, um ihre Kapitaldecke zu verringern. Der teure Einkauf eines Teils von ABN Amro hat die britische Bank nach Angaben von Citigroup zur höchstverschuldeten Bank Europas gemacht, wenn man die Kennzahl der Puristen – Tangible Equity (Eigenkapital abzüglich Geschäfts- oder Firmenwerte) zu Bilanzsumme – zugrundelegt. Nach einer anderen Kennzahl, dem Kernkapital in Höhe von 21 Milliarden britischen Pfund, liegt die Bank nur um eine Milliarde Pfund über dem kritischen Niveau von 4 Prozent, bei dem die Aufsichtsbehörde in Alarmbereitschaft versetzt wird. Heißt das, dass sich RBS schon bald unter die Banken einreihen wird, die nach frischem Kapital suchen müssen?

Nach Aussagen der Bank gibt es keinen Grund zur Besorgnis. Die Einschätzung ist nachvollziehbar. Erstens hat sich RBS schon zweimal in der gleichen Situation befunden, nach dem Kauf des größeren britischen Rivalen Nat West im Jahr 2000 und 2004 nach der Akquisition der US-amerikanischen Charter One. In beiden Fällen konnte der Liquiditätsengpass durch höhere Gewinne überwunden werden. Lassen sich die Gewinne auf dem gegenwärtigen Niveau weiter aufrecht erhalten, sollte RBS in der Lage sein, das Kernkapital durch die einbehaltenen Gewinne jährlich um mindestens 2,5 Milliarden Pfund aufzustocken.

Darüber hinaus verfügt die Gruppe über eine Reihe leicht zu veräußernder Vermögenswerte. Der größte darunter ist der Anteil an der Bank of China. Die Aktien können nicht vor Dezember verkauft werden, aber der potenzielle Gewinn nach heutigen Marktpreisen liegt bei etwa 3,5 Milliarden Pfund. Schneller verfügbar wären 500 Millionen Pfund, die die Bank aus dem Verkauf ihrer Angel-Trains-Anteile erzielen könnte, einem Unternehmen, das Schienenfahrzeuge vermietet.

Aus dem Schneider ist RBS aber noch nicht. So könnten Wertberichtigungen notwendig werden, die die dünne Decke schnell aufzehren könnten. Ein mögliches Risiko bildet hier das Portfolio aus amerikanischen hypothekenbesicherten Wertpapieren (Mortgage-Backed Securities). In den RBS-Büchern stehen auch noch 5,1 Milliarden Pfund unbesicherter Subprime-Werte. Die Höhe des abgesicherten Subprime-Engagements wird von RBS nicht veröffentlicht. Aber auch Hedging schützt nicht immer vor Verlusten, wie das Beispiel Merrill Lynch gezeigt hat.

Weitere Gefahr droht von einer Rezession. In einem schwachen wirtschaftlichen Umfeld können Banken zwischen rückläufigen Geschäftsabschlüssen und zunehmenden Kreditausfallrisiken in die Falle geraten. Trifft RBS in diesem Jahr Risikovorsorge in Höhe ihres 15-Jahres-Durchschnitts, wird die Bilanz nach Angaben von UBS mit 4,4 Milliarden Pfund belastet. Das sind fast 2 Milliarden mehr, als Investoren erwarten. Und dabei liegen hier Durchschnittswerte zugrunde. Bei einer Rezession in Großbritannien, vor allem nach einer Dekade starken und kontinuierlichen Wachstums, könnte die Ausfallrate sehr viel höher ausfallen.

Die Angst, dass RBS beim dritten Mal das Kapitalglück versagt bleiben könnte, hilft, die niedrige Bewertung der Aktien zu erklären. Nach Dresdner Kleinwort wird RBS, gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis auf der Basis der in diesem Jahr erwarteten Gewinne, gegenwärtig um 35 Prozent niedriger gehandelt als der Durchschnitt der vergleichbaren europäischen Werte. Investoren werden die Aktie wohl nicht so bald nach dem Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ bewerten.

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