Reaktion auf heftige Verluste
UBS-Boni: Allein auf weiter Flur

Künftig werden die Spitzenbanker der UBS jedes Jahr nur noch ein Drittel ihrer Boni kassieren dürfen. Verluste oder riskante Handelsgeschäfte werden das Konto schrumpfen lassen. Zudem wird der Verwaltungsratspräsident ganz auf Lohnanreize verzichten müssen. Der kühne Plan könnte als Modell für die Branche fungieren, aber er exponiert die UBS.

Die UBS exponiert sich. In Reaktion auf die heftigen Verluste, auf den Druck der Aufsichtsbehörden und die öffentlichen Unmutsbekundungen hat die schweizerische Großbank ihr Vergütungsprogramm für die Spitzenmanager radikal überarbeitet. Der neue Plan könnte zum Branchenstandard werden.

Oberstes Ziel ist es, die abwegige und alles durchdringende einseitige Anreizstruktur bei den Finanzinstituten zu ändern. Bisher war es üblich, dass für riskante Wetten, die gut liefen, üppige Boni flossen - die aber nicht zurückgezahlt wurden, wenn diese Wetten später schief gingen.

Dies wird auf die oberste Führungsriege der UBS nicht mehr länger zutreffen. Ab dem kommenden Jahr wird nicht mehr als ein Drittel eines jeden Bar-Bonus in dem Jahr, in dem er verdient wurde, ausgezahlt. Der Rest wird in Reserve gehalten - und kann durch künftige Verluste, riskante Handelsgeschäfte oder bei einem Fehlverhalten bezüglich der Einhaltung der Unternehmensregeln geschmälert werden. Zudem werden Leistungsanreize in Form von Aktienanwartschaften erst nach drei Jahren unverfallbar und die Spitzenmanager müssen 75 Prozent aller unverfallbaren Aktien halten. Auch dieses Aktienkonto unterliegt der Kürzung, falls ein "Malus" auftritt.

Am härtesten treffen die neuen Vergütungspläne den UBS-Verwaltungsratspräsidenten Peter Kurer. Für seinen Posten sind keine gesonderten variablen Lohnkomponenten mehr vorgesehen - nur noch ein fixes Gehalt in bar und eine feste Zuteilung an Aktien, die vier Jahre lang nicht verkauft werden dürfen. Damit wird die Entlohnung des Verwaltungsratspräsidenten unmittelbar mit der Gruppenentwicklung verknüpft und zwar auf eine Art und Weise, die allzu großer Waghalsigkeit entgegenwirken dürfte.

Das System ist nicht ideal. Die dreijährige Rückforderungsperiode hätte auch fünf Jahre betragen können. Immer noch sind die Bonuszahlungen nach oben hin nicht begrenzt und auch bei großen Antrittszahlungen gibt es keine Einschränkungen. Und schließlich trifft das Modell nur das zwölfköpfige oberste Leitungsgremium. Das Ziel ist es, ähnliche Schritte auf breiterer Basis einzuführen - bald, aber vorerst noch nicht.

Trotzdem hat die UBS bei der Vergütung der Banker ein gewagtes Tempo vorgelegt. Kurer setzt darauf, dass andere seinem Beispiel folgen werden. Die Aufsichtsbehörden und einflussreiche Gruppierungen wie das Finanzstabilitätsforum könnten ihn dabei unterstützen. Aber wenn die derzeitige Anti-Banker-Rage verpuffen sollte, dann wäre UBS vielleicht zu einer peinlichen Kehrtwende gezwungen - oder sie riskiert es, maßgebliche Mitarbeiter zu verlieren.

Kurer hat Recht, wenn er mutig voranschreitet. Die neue UBS zeigt bei der Reform der Vergütung die Art von Verwegenheit, die die alte UBS vor allem bei US-Hypothekendarlehen zweitklassiger Bonität an den Tag gelegt hatte. Die jüngste Anstrengung verdient es, dass sie sich besser auszahlt als die tollkühnen Ausflüge der alten UBS-Garde.

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