Rechnungslegungsstandards
Zahlen, Daten, Fakten und Theorien

Die Entscheidung, sich bis zum Jahr 2014 von den Bilanzierungsvorschriften der US GAAP zu verabschieden, symbolisiert den Verlust der wirtschaftlichen und intellektuellen Vorherrschaft der Vereinigten Staaten. Dass sich die USA auf die schon bald global gültigen International Financial Reporting Standards zubewegen, ist gut für den globalen Kapitalismus.

Die Vereinigten Staaten stehen kurz davor, die neue Weltordnung in der Rechnungslegung zu ratifizieren. Die USA wollen bis 2014 die allein in den Vereinigten Staaten angewendeten GAAP aufgeben und zu IFRS wechseln, einem Standard, der sich multinational durchgesetzt hat. Auf das Wesentliche reduziert, lassen sich die drei wichtigsten Veränderungen zusammenfassen als: von 25.000 zu 2.000, von vielen zu einem und von einem zu einem von vielen.

Die erste Veränderung bezieht sich auf Seiten. Die IFRS füllen 2.000. Gemessen an der epischen Breite des US-amerikanischen Regelwerks ist das Haiku. Die kurz gehaltene Fassung reflektiert das Vertrauen der IFRS auf allgemeine Prinzipien anstelle von detailgenauen Regeln. Wenn die USA sich der globalen Praxis anschließen, müssen ihre Buchhalter Sonderregeln und sichere Nischen aufgeben - sorgfältig ausgearbeitete Bedingungen unter denen spezielle Buchungsverfahren und Bilanzierungsregeln anzuwenden waren - und stärker über die wirtschaftliche Substanz nachdenken.

Der Weg von vielen zu einem weltweit gültigen Rechnungslegungsverfahren ist ein Globalisierungserfolg der besten Sorte. Die IFRS entstanden im Rahmen intensiver internationaler Verhandlungen. Sie sind nicht das Ergebnis einer wirtschaftlichen Hegemonie und wurden auch nicht gegen den Willen einheimischer Erbsenzähler eingeführt. Bei ihrer Entstehung spielten amerikanische Vertreter des Rechnungswesens eine herausragende Rolle.

Die Amerikaner standen früher einmal an erster Stelle, wenn es um die Aufbereitung von Zahlen ging, genau wie in der Finanztheorie, bei den Technologiestandards und in der Popkultur. Bei IFRS sind die USA nur ein Land unter vielen und repräsentieren auch nicht die Führungsspitze. Die EU muss einen noch größeren Wirtschaftsraum überwachen und dabei sind die hyperdetaillierten und juristisch orientierten US-Standards nicht besonders beliebt.

Die USA setzen sich vielleicht nicht durch, aber ein global gültiger Rechnungslegungsstandard begünstigt den globalen Kapitalismus auf die gleiche Weise, wie einheitliche Flugregeln den internationalen Luftverkehr begünstigen. Für multinationale Konzerne wird das Leben leichter, grenzüberschreitende Investitionen werden kalkulierbarer und eine international zusammengesetzte Standardisierungskommission ist besser gegen den Druck einzelner Branchen gerüstet, selbst wenn das Regelwerk sich nur im Schneckentempo entwickelt.

Natürlich sind auch die IFRS noch lange nicht perfekt. Vor allem vertraut es zu stark auf die Weisheit der unbeständigen Finanzmärkte. Aber nach dem Scheitern der Welthandelsgespräche und inmitten der Spannungen, die in Russland wieder aufleben, ist es beruhigend, dass wenigstens an einer internationalen Front Harmonisierungsfortschritte gemacht werden.

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