Rechtsanwälte
Auf die Pleite setzen

Wer in New York gerade sein Jura-Examen ablegt, könnte besorgt in die Zukunft schauen, denn die krisenbedingte Entlassungswelle macht auch vor den Rechtsanwälten in Big Apple nicht Halt. Aber wirtschaftlich harte Zeiten ziehen Unternehmenspleiten nach sich. Es mag zwar nicht sonderlich attraktiv sein und die Welt lässt sich damit auch nicht retten – aber wenn es jemanden gibt, der immer gewinnt, dann sind das die Anwälte, die sich auf Insolvenzen spezialisiert haben.

Es mag zwar nicht so nobel sein, wie das Recht auf freie Meinungsäußerung zu verteidigen oder die Welt zu retten. Und es mag auch nicht so lukrativ sein, wie die juristische Marschrichtung bei gigantischen Fusionen vorzugeben. Aber die Opfer des derzeitigen Wirtschaftsabschwungs mehren sich. Daher ist es für die Jura-Studenten, die sich gerade in New York durch die Zulassungsprüfungen gequält haben, vielleicht genau das Richtige, wenn sie auf das Insolvenzrecht setzen.

Im ersten Quartal 2008 sind die Insolvenzanträge von US-Unternehmen im Jahresvergleich um vierzig Prozent gestiegen. Üblicherweise trifft eine Wirtschaftsflaute Firmen aus dem Verbrauchsgütersektor immer zuerst - wie sich leicht am Schicksal der Restaurantkette Bennigan?s, des Einzelhändlers Steve & Barry?s und des Anbieters von Haushaltswaren Linens `n Things, um nur ein paar wenige zu nennen, ablesen lässt.

Die Liste dürfte noch länger werden, da immer mehr Konsumenten genauer hinschauen und sich bei allem zurücknehmen müssen, angefangen bei der Kleidung über Restaurantbesuche bis hin zu größeren Ausgaben wie Flugtickets oder ein neues Auto. Die Mehrheit der Unternehmen außerhalb des Finanzsektors rangiert bei der Bonitätsbewertung als hochspekulativ und selbst lockere Kreditkonditionen werden weitere Pleiten nur hinauszögern, wenn sich das Wirtschaftswachstum in den USA nicht wieder beschleunigt.

Dass Anwaltskanzleien im gleichen Umfang Mitarbeiter feuern wie Banken, kommt eher selten vor. Aber wie die Entlassungen bei der New Yorker Firma Cadwalader, Wickersham & Taft zeigen, wirkt sich die nachlassende Konjunktur besonders auf die Rechtsanwälte negativ aus, die sich auf die Finanzindustrie spezialisiert haben.

Wer sich aber auf das Insolvenzrecht verlegt, kann auf Jahre hinaus mit einer festen Anstellung rechnen. Der Autozulieferer Delphi, zum Beispiel, hat im Oktober 2005 Antrag auf Gläubigerschutz nach Kapitel Elf des US-Insolvenzrechts gestellt - und die Gerichte brüten immer noch darüber. Und da mehr und mehr Hedge Fonds und andere Firmen in den Kredithandel verwickelt sind, werden die Insolvenzverfahren möglicherweise vor Konflikten nur so strotzen und den Anwälten umso mehr Arbeit bescheren.

Banker, die sich nach einem neuen Job umschauen, sollten sich in ihren Reiseführern vielleicht unter dem Eintrag Dubai kundig machen. Für Rechtsanwälte wäre es das Beste, die Bestimmungen des Kapitel Elf nachzuschlagen.

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