Refinanzierung in Asien
Bis dass der Kredit euch scheidet

Die Banken aus dem Westen haben während des Kreditbooms asiatische Unternehmen nach Kräften dabei unterstützt, Schulden anzuhäufen. Doch wirtschaftliche Schwierigkeiten und die Probleme der Kreditanbieter auf ihren Heimatmärkten könnten den Firmen vor Augen führen, dass sie auf sich gestellt sind, wenn in diesem Jahr Unternehmenskredite über 115 Mrd. Dollar fällig werden.

Der Osten und der Westen haben sich zwar nicht voneinander abgekoppelt. Aber sie sind auch keine Waffenbrüder, wie die Darlehensnehmer unter den asiatischen Firmen vielleicht bald auf die harte Tour herausfinden müssen. Die Unternehmen der asiatisch-pazifischen Region außerhalb Japans verfügen über rund 115 Mrd. Dollar an Schuldtiteln, die in den zwölf Monaten per Ende September fällig werden. Die Banken aus dem Westen haben zur Entstehung dieses Problems beigetragen - aber bei seiner Lösung könnte Asien ganz auf sich gestellt sein.

Verglichen mit den Schuldengebirgen in Europa und in den USA sehen die Refinanzierungen in Asien wie ein kleiner Ausläufer aus. Aber die Rating-Agentur Moody?s warnt, dass sich die Unternehmensschuldner der Region in einer schwächeren Position befinden als ihre globalen Branchenkollegen. Fast die Hälfte der erstklassig bewerteten Firmen, die die Agentur beobachtet, verfügen nicht über ausreichend zugesagte Liquidität, um ihren Cash-Verpflichtungen im kommenden Jahr nachkommen zu können.

Die düstere Einschätzung ist leider realistisch. Die Banken sind weltweit zu einer Umschuldung von Krediten weniger bereit als noch vor einem Jahr, aber in Asien kommen noch weitere Schwierigkeiten dazu. Die südkoreanische Währung ist dramatisch gefallen, so dass die dort ansässigen Firmen von den internationalen Kredit- und Anleihemärkten ausgeschlossen sind. Singapur wurde unverhältnismäßig stark von dem Preisverfall bei Immobilien getroffen. Australien leidet unter dem Platzen der Rohstoffblase. Die Exporte in den Westen befinden sich auf Talfahrt. Moody?s weist zudem darauf hin, dass sich die asiatischen Firmen stärker als ihre westlichen Gegenspieler auf kurzfristige Ausleihungen verlassen haben, so dass sie schnellen Änderungen beim Kreditangebot ausgesetzt sind.

Wenn die Banken die Kredite nicht verlängern, bleibt den Unternehmen kaum noch eine Wahl. Eigenkapital zu sammeln, ist in Asien, wo die Märkte schwere Schläge eingesteckt haben, genau so schwierig wie in Europa und den USA. Und während die Investoren zwar immer noch die Anleihen von zu den asiatischen Standardwerten zählenden Firmen oder staatlich geförderten Unternehmen - man denke nur an die beiden staatlich gestützten Bankemissionen in Südkorea in der vergangenen Woche - abgreifen, bleibt der Markt den weniger gewichtigen Namen praktisch verschlossen.

Die größte Schwierigkeit könnte allerdings darin liegen, dass sich der Osten und der Westen in gewisser Hinsicht tatsächlich doch voneinander abgekoppelt haben. Während sich die asiatischen Banken einer weitgehend soliden Verfassung erfreuen, ziehen sich die westlichen Institute - die in den vergangenen drei Jahren zusätzliche Kredite über rund 75 Mrd. Dollar vergeben hatten - nach Jahren ihrer Jagd nach Marktanteilen nun zurück. Wenn sie überhaupt noch Kredite vergeben, dann sehen sich europäische und amerikanische Banken dem Druck ihrer Regierungen ausgesetzt, das Kapital auf den Heimatmärkten einzusetzen. Einige westliche Firmen werden dadurch davor bewahrt werden, in Vergessenheit zu geraten. Für Asien macht es eine ohnehin schwierige Situation noch schlimmer.

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