Reform der US-Finanzaufsicht
So einfach wie das ABC

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Nach der Vorstellung des geplanten Reformpakets von US-Präsident Barack Obama werden sich die Beteiligten noch mehr Akronyme merken müssen, um sich in der ohnehin schon vielschichtigen US-Regulierungslandschaft zurechtzufinden. Trotz seines erklärten Ziels, Finanzprodukte so zu gestalten, dass sie von den meisten Menschen verstanden werden, haben die Reformen möglicherweise den gegenteiligen Effekt, was die Finanzaufsicht des Landes angeht.

Ein Anlauf, das Sammelsurium bereits bestehender Behörden auszudünnen, fehlt fast völlig. Die einzige bemerkenswerte Ausnahme besteht in der Fusion der inkompetenten Sparkassenaufsicht Office of Thrift Supervision mit der Hüterin der auf Bundesebene konzessionierten US-Geschäftsbanken, dem Office of the Comptroller of the Currency, zu einer neuen Behörde mit dem Namen National Bank Supervisor oder kurz NBS. Andere gleichermaßen logische Zusammenlegungen, wie etwa die der Regulierer für Futures und Wertpapiere, sind der politischen Opposition zum Opfer gefallen.

Wem das Sammeln von Abkürzungen eine Herzensangelegenheit ist, braucht sich also keine Sorgen machen: die SEC, CFTC, FDIC und FHFA haben mehr oder weniger intakt überlebt. Und neben dem NBS entsprangen dem Reformpaket unter anderem auch noch die ONI, FOSC und CFPA.

Auch für ein Kreditinstitut, das zum Scheitern zu groß ist, gibt es nun eine griffige Kurzumschreibung: Tier 1 FHC, wobei letzteres für Finanzholdinggesellschaft steht. Die Verfasser des Plans fürchten offenbar nicht, dass die Verwendung des Begriffs Tier 1 Verwirrung stiften könnte, da dieser sowohl die Klassifikation einer Bank benennen als auch einen Messwert für die Kapitalstärke von Banken bezeichnen kann.

Wer sind die anderen Neuankömmlinge? Da wäre das Office of National Insurance, das den Versicherungssektor im Auge behalten soll, auch wenn dieser derzeit von den einzelnen Bundesstaaten überwacht wird. Dann hätten wir noch den Financial Services Oversight Council, der sich aus Vertretern aller verschiedenen Aufsichtsbehörden zusammensetzt und sicherstellen soll, dass kein Institut der Überwachung entgleitet oder eine Gefahr für das System wird.

Neu ist ebenfalls die Verbraucherberatung Consumer Financial Protection Agency, die verhindern soll, dass Banken toxische Produkte an die ahnungslosen Kunden verkaufen.

Zugegebenermaßen wären die Reformanstrengungen vielleicht allesamt zum Stillstand gekommen, hätte Obama gleichzeitig auch noch versucht, politisch untereinander verknüpfte heilige Kühe zu schlachten. Indem er aber auf das bestehende System eine weitere Lage der aufsichtsbehördlichen Infrastruktur aufgesetzt hat, hat Obama das Labyrinth nur noch undurchdringlicher gemacht. Für die Steuerzahler ist es jetzt noch schwieriger zu beurteilen, ob die Hüter des US-Finanzsystems ihre Aufgabe gut erledigen.

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