Regelmäßige Kontrollen
Wie sieht die US-Finanzaufsicht in Zukunft aus?

Die Stresstests der US-Banken zwangen erstmals die unterschiedlichsten Aufsichtsbehörden zur Zusammenarbeit. Und indem die Banken untereinander verglichen wurden, schwächte sich der so genannte Lake Wobegon-Effekt ab, demzufolge alles, was isoliert betrachtet wird, überdurchschnittlich abschneidet. Genau so sollte eine reformierte umsichtige Finanzaufsicht funktionieren.
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Gesetzgeber, Vertreter der Regulierungsbehörden und Banker müssen nicht lange nach einer Antwort suchen. Ein einigermaßen funktionstüchtiger Entwurf könnte direkt vor ihren Nasen liegen und zwar in der Form der gerade abgeschlossenen Belastungstests der 19 größten US-Banken.

Diese Untersuchungen zwangen die Aufsichtsorganisationen, darunter die US-Notenbank Federal Reserve, das US-Finanzministerium, die Bankenaufsichtsbehörde der US-Geschäftsbanken und andere zu einer beispiellosen Zusammenarbeit. Und durch den Vergleich von großen Finanzinstituten, Regionalbanken, Kreditkartengesellschaften, Autofinanzierern und Wall Street-Firmen untereinander schwächten die Branchenwächter den so genannten "Lake Wobegon"-Effekt ab, demzufolge jeder, der isoliert bewertet wird, letztendlich überdurchschnittlich abschneidet. Diese Ziele sollten in eine wie auch immer geartete Reform des Finanzaufsichtssystems aufgenommen werden.

Die Stresstests waren nicht perfekt. Zum einen werden die ihnen zugrunde liegenden Annahmen immer noch kontrovers diskutiert. Da im April weitere 539 000 Amerikaner ihren Arbeitsplatz verloren haben und die landesweite Arbeitslosenquote auf 8,9 Prozent gestiegen ist, hatten die Kritiker des Worst Case-Szenarios der Tests, das von einer Quote von 10,4 Prozent im kommenden Jahr ausgeht, eingewandt, die Wirtschaft sei doch fast schon dort angekommen.

Umgekehrt haben einige Banken-Manager die Tests als überzogen abgelehnt. Regions Financial, zum Beispiel, zieht gegen die künftigen Verluste ins Feld, die für ihr Portfolio an Gewerbeimmobilien errechnet wurden. Diese Einbußen gelten als Schlüsselfaktoren bei der Entscheidung der Regulierer, von der in Alabama beheimateten Bank die Beschaffung von neuem Kapital über 2,5 Mrd. Dollar zu fordern.

Doch einen einheitlichen Kriterienkatalog quer durch den gesamten Finanzsektor hinweg anzuwenden, ist logisch. Auch wenn es schwierig sein mag, einen Mittelweg zwischen dem großen Ganzen und den legitimen Unterschieden hinsichtlich der speziellen Umstände der Banken zu finden.

Bis jetzt hatten einzelne Aufsichtsbehörden zumeist immer nur jeweils eine Bank untersucht. Auch wenn Belastungstests schon lange zu diesem Prozess dazugehörten, ist es leicht vorstellbar, wie Branchenwächter, die vertikal und getrennt voneinander arbeiten, zu dem Schluss kommen könnten, dass fast alle Banken stärker als der Durchschnitt sind.

Aber wenn unterschiedliche Ermittler anhand einer ganzen Reihe von Parametern die Entwicklung jeder Firma mit der Leistung der anderen abgleichen, können potenzielle Schwächen leichter aufgedeckt werden.

Gewiss können Stresstests, die auf diese Art vorgenommen werden, einige subjektive und vereinfachende Annahmen auch nicht ganz vermeiden. Doch es wäre ein Fehler diesen Umstand zu stark zu betonen. Denn eigentlich entstehen nur Vorzüge, wenn man diesen in der Kooperation aller Behörden umgesetzten, vergleichenden und koordinierten Ansatz dieser großartigen Übung zur Ermittlung der Kapitalstärke der Banken übernimmt.

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