Regierung machtlos
Spaniens Immobilienmarkt geht die Luft aus

Die spanische Regierung will den schwer angeschlagenen Grundstücks- und Immobilienentwicklern des Landes unter die Arme greifen. Doch ihre Maßnahmen werden nicht viel bewirken. Die spekulative Blase auf dem Immobilienmarkt war viel zu groß, um nun im Schnellverfahren ausgebügelt werden zu können. Sinkende Preise werden den Markt letztendlich wieder ins Gleichgewicht bringen. Je rasanter sie fallen, desto schneller wird die Erholung einsetzen.

Die spanischen Immobilien- und Grundstücksentwickler leiden schwer darunter, dass die spekulative Blase auf dem Immobilienmarkt geplatzt ist. Der Verkauf von Häusern rutscht immer weiter in den Keller, wodurch die dringend benötigten Bargeldvorräte der Unternehmen, mit denen Schulden abbezahlt werden sollen, aufgezehrt werden. Die spanische Regierung hat zwei weitere Schritte angekündigt, um den betroffenen Firmen unter die Arme zu greifen. Doch diese Maßnahmen werden nicht viel bewirken. Der spanische Immobilienmarkt, dem jetzt schnell die Luft ausgeht, steckt zu tief in der Krise, als dass er im Schnellverfahren gekittet werden könnte.

Der spanische Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero hat den Projektentwicklern über das staatliche Förderinstitut Instituto de Credito Oficial (Ico) drei Mrd. Euro zugesagt, damit sie bestehende Kredite refinanzieren können. Das Ziel ist es, den Firmen Zugang zu längerfristigen Finanzierungen zu verschaffen, bis sich der Markt erholt. Im Gegenzug müssen die Immobilienfirmen die Wohnungen vermieten, wodurch sich die Regierung eine Belebung des anämischen Mietmarkts erhofft.

Aber die drei Mrd. Euro von Regierungsseite sind ein Tropfen im Ozean verglichen mit den enormen Beständen unverkaufter Wohnungen. Geht man von einem durchschnittlichen Kaufpreis von 200 000 Euro bei einer 50prozentigen Kreditfinanzierung aus, dann reichen die Regierungsgelder nur für 30 000 Eigenheime. Das entspricht weniger als drei Prozent des Bestands von einer Million unverkaufter Wohnungen, die nach Schätzungen der UBS auf dem Markt herumschwappen. Darüber hinaus wird sich der Mietmarkt erst dann wirklich erholen, wenn die Regierung ein Gesetz erlässt, das den Vermietern größere Flexibilität einräumt.

Zapatero will zudem Immobilien-Investmentfonds einführen, um die Investitionen in diesem Sektor anzukurbeln. Reits, die in den USA weit verbreitet und seit geraumer Zeit auch in Großbritannien zu haben sind, verringern den Arbeitsaufwand und die Steuern auf gebündelte Immobilien-Investitionen. Aber die Erfahrungen aus Großbritannien lassen darauf schließen, dass spanische Reits noch einige Jahre auf sich warten lassen werden. Die Verzögerung könnte hilfreich sein, denn es ist kaum vorstellbar, dass irgendjemand gerade jetzt in Reits investieren will.

Die Regierung versucht nicht zum ersten Mal, den kränkelnden Bausektor anzuschieben. Unter anderem wurden bereits zwei Mrd. Euro zugesagt, um den Kauf von Sozialwohnungen zu bezuschussen. Aber die Steuergelder könnten sinnvoller eingesetzt werden, zum Beispiel, um arbeitslose Bauarbeiter umzuschulen.

Leider war die spekulative Verzerrung auf dem spanischen Immobilienmarkt zu ausgeprägt, um jetzt durch einfache Mittelchen wieder zurechtgebogen werden zu können. Der Sektor muss erst eine schmerzhafte Umstrukturierung durchlaufen. Die Häuserpreise haben sich innerhalb eines Jahrzehnts verdreifacht. Niedrigere Preise werden letztendlich den Markt wieder ins Gleichgewicht bringen. Je rasanter sie fallen, desto schneller wird sich die Erholung einstellen.

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