Rekapitalisierungs-Versprechen
Bankenrettung: Quadratur des Tarp-Kreises

Die US-Regierung wird im Kongress um die Freigabe weiterer Rettungsmittel für den Kapitalmarkt kämpfen müssen. Verhindern die Ergebnisse der Stresstests weitere Finanzspritzen, wird dies beschönigt werden. Dabei besteht noch eine Möglichkeit für die Quadratur des Kreises: die Vorzugsaktien, die der Staat besitzt, in Stammaktien umwandeln.
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US-Banken Rekapitalisierung: Die USA könnten einen Weg gefunden haben, aus ihren Rekapitalisierungsversprechen an die Banken herauszukommen. Die Regierung weiß, dass es schwer wird, die Zustimmung des Kongresses für die Auszahlung weiterer Rettungsgelder zu erhalten. Den Kongress zu bitten und abzublitzen wäre entsetzlich. Aber wenn die Regierungsprüfungen - die in der nächsten Woche abgeschlossen sein sollen - dazu führen, dass keine weiteren Kapitalspritzen mehr verabreicht werden, dann wird man das Resultat zu beschönigen wissen. Ein Fehlschlag bei der Rekapitalisierung der Banken könnte Zombie-Institutionen entstehen lassen, die im Land umhergeistern und das Risiko erhöhen, die Krise noch weiter in die Länge zu ziehen.

Von den 700 Milliarden US-Dollar, die der Kongress ursprünglich für das Tarp-Notprogramm bewilligte, sind bisher 135 Milliarden Dollar noch nicht zugeteilt. Diese Summe reicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht einmal annähernd, um die Banken von ihren notleidenden Vermögenswerten zu befreien. Vor allem dann nicht, wenn man berücksichtigt, dass Tarp-Mittel potenziell auch anderen Branchen, wie zum Beispiel den Autoproduzenten, zur Verfügung gestellt werden können. Aber, es gibt möglicherweise Wege zu einer Quadratur dieses Kreises. Einer besteht darin, die Vorzugsaktien, die die Regierung im vergangenen Oktober von den Banken übernahm, in qualitativ höherwertiges Kapital zu wandeln. Wenn man sich vorstellt, dass die größten 19 Banken über 140 Milliarden US-Dollar solch stimmrechtlosen Kapitals verfügen, dann könnte sich der Wert des Sparschweins knapp verdoppeln.

Die Umwandlung eines Kapitaltyps in einen anderen verschafft den Banken noch kein höheres Polster gegen Verluste, aber sie kann die Branche dennoch stärken. Das ist wichtig, weil die Banken in den vergangenen Jahren die Qualität ihres Kapitals verwässert haben. Sie haben sich zunehmend über Vorzugsaktien und andere, sogenannte hybride Instrumente finanziert. Die Situation hat sich während der Krise weiter verschlechtert, weil die Verluste den materiellen Wert des Stammkapitals (tangible common equity) verringert haben, und damit die wichtigste Kapitalkennziffer.

Noch ist nicht klar, was die Regierung wirklich vorhat. Nach der New York Times könnte sie planen, Vorzugskapital in Stammkapital zu wandeln. Aber nach der offiziellen, im Februar bekanntgegebenen Strategie der Regierung will sie frisches Kapital nur in Form von wandelbarem Vorzugskapital bereitstellen. Dieses moderne Finanzierungsinstrument wird bei Bedarf in Stammkapital gewandelt, wenn dadurch eine angemessene Kapitalisierung der Bank aufrechterhalten werden kann. Im Endeffekt erfolgt die Wandlung also in zwei Phasen: Von Vorzugsaktien in Kapital mit Wandlungspflichten und später, wenn erforderlich, von Wandelkapital in gewöhnliches Stammkapital.

Eine Eigenschaft der Wandelpapiere besteht darin, dass sie im Unterschied zu Stammaktien keine Stimmrechte beinhalten. Das sollte der Regierung entgegenkommen, die ja betonte, dass sie Verstaatlichungen soweit möglich vermeiden will. Wenn sie ihre Meinung also nicht geändert hat - und nicht denkt, dass es jetzt notwendig geworden ist ein paar Banken beiseite zu nehmen und kollektiv zu bestrafen - dann könnte das der richtige Weg sein.

Die Regierung hat aber potenziell noch andere Möglichkeiten zu vermeiden, den Kongress um Geld bitten zu müssen. Sie könnte zum Beispiel gesünderen Institutionen wie JPMorgan oder Goldman Sachs erlauben, Tarp-Mittel zurückzuzahlen. Dieses Kapital könnte an die Regierung zurückfließen und zugunsten schwächerer Unternehmen recycelt werden.

Es ist ebenfalls möglich, dass sich auch ein paar schwächere Institutionen über den Kapitalmarkt refinanzieren, wie zum Beispiel Bank of America. Der Kurs der Bank lag am Montag um die 9 US-Dollar. Er lag damit deutlich oberhalb des Kurses, zu dem die Regierung im Februar bereit war Kapitalhilfen bereitzustellen. Wenn die Aktie also nicht wieder auf Talfahrt geht, wäre es nur logisch, wenn das Unternehmen zunächst versuchen würde, Kapital über den Markt aufzunehmen.

Rahm Emanuel, Stabschef im Weißen Haus, sprach am Wochenende vor ABC davon, dass die Regierung Möglichkeiten habe, die Banken zu rekapitalisieren, ohne den Kongress um Unterstützung zu bitten. Glücklicherweise sieht es so aus, als ob er Recht haben könnte.

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