Renminbi
Die Schwarze Magie der Zahlen

Über Jahre hinweg hatte die enge Verbindung des Renminbi zum Dollar China dabei unterstützt, schnell zu wachsen und Arbeitsplätze zu schaffen. Aber bei sieben Renminbi zum Dollar ist die chinesische Währung bei weitem nicht stark genug, um gegen die Inflation anzukämpfen. Mit einer umfangreichen Aufwertung jedoch stiege das Risiko, das Wachstum des Landes vehement zu stören – und zur US-Teuerung beizutragen.

Die Anhänger der pythagoreischen Lehre im klassischen Griechenland waren der Ansicht, die Zahl Sieben spiegle das perfekte Gleichgewicht wider. Der Renminbi hat jetzt die Schwelle von sieben zum Dollar überschritten, aber weder die zuständigen chinesischen noch die amerikanischen Behörden würden wahrscheinlich den alten Philosophen beipflichten, dass die Währung damit den Idealzustand erreicht hat.

Sicher, indem die Chinesen es zulassen, dass die Währung schneller steigt – in den vergangenen drei Monaten um 4,5 Prozent gegenüber einem Plus um sieben Prozent für das Gesamtjahr 2007 - , verfolgen sie, was sie und die Amerikaner nach eigenem Bekunden anpeilen. Der teurere Renminbi sollte dazu beitragen, den enormen chinesischen Handelsbilanzüberschuss gegenüber den USA, der sich 2007 auf insgesamt 237 Mrd. Dollar belaufen hatte, abzubauen. Und er könnte dabei helfen, widerspenstige US-Politiker vor den Olympischen Spielen in Peking im August zu beruhigen.

Aber der Anstieg des Renminbi ist weder einfach ein Zeichen für den wirtschaftlichen Fortschritt Chinas noch ein geopolitischer Schachzug. In ihm manifestiert sich auch die Erkenntnis, dass die lange verfolgte Politik, die Währung billig zu halten, nicht mehr funktioniert.

Über Jahre hinweg hatte der feste und dann langsam steigende Renminbi-Dollar-Wechselkurs es den chinesischen Produzenten erlaubt zu gedeihen. Wettbewerbsfähige Exportbranchen schufen Arbeitsplätze für viele der hundert Millionen von vertriebenen Bauern und erlaubten die rasche Entwicklung einer industriellen Infrastruktur.

Aber im Zuge des wachsenden Wohlstands des Landes zeigte sich die Währung als immer stärker unterbewertet. Damit wurde es für die chinesischen Behörden immer schwerer, den Renminbi von einem Anstieg gegenüber der US-Valuta abzuhalten. China hat gewaltige Beträge der Landeswährung in Umlauf gebracht, um die Dollar der Exporteure zu kaufen. Diese neuen Renminbi tragen jetzt zur allgemeinen Preissteigerung bei. Die Inflation in China liegt derzeit bei neun Prozent.

Die chinesischen Währungshüter sehen sich einem Dilemma ausgesetzt. Eine unkontrollierte Inflation könnte zu sozialen Unruhen führen. Eine jähe Aufwertung der Währung könnte zwar die Inflation drücken, da die Importpreise und die überschüssige Geldversorgung gekürzt würden, aber sie könnte auch die Arbeitslosigkeit in einem Maße anheizen, dass mit sozialen Verwerfungen zu rechnen sein könnte.

Die USA stecken in einer vergleichbaren Zwickmühle. Eine schnelle Renminbi-Aufwertung würde nicht nur den ohnehin beträchtlichen Inflationsdruck verstärken, sie könnte auch andere unerwünschte Auswirkungen haben, wie etwa andere Länder mit Dollar-Bindung zu ermutigen, ihre Währungen aufzuwerten oder die Renditen von auf Dollar lautenden Schuldtiteln nach oben drücken.

In den pythagoreischen Überlieferungen drückte die Zahl Sieben die Harmonie der Sphären aus. Die Renminbi-Sieben sieht eher wie ein Zeichen für zukünftige Disharmonie aus.

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