Rentokil
Unterwegs verloren

Der britische Dienstleister Rentokil hat mit seinem defizitären City-Link-Paketzusteller den Anschluss verloren. Vorstandschef Brian McGowan wird das Unternehmen noch vor der Hauptversammlung im Mai verlassen. Das einst hochgehandelte Unternehmen wirkt gegenwärtig total verloren. Eine Aufspaltung oder Übernahme wäre nicht verkehrt.

Rentokil hat seine Lektion nicht gelernt. Das britische Konglomerat, das in den 1990er-Jahren für sein aggressives, übernahmegetriebenes Wachstum berühmt war, hat Jahre damit verbracht, die ungleichen Geschäftsbereiche einzubauen. Eine Einsicht, die in dieser Zeit hätte reifen müssen, ist die Bedeutung, die einer vernünftigen Integration der Neuzugänge zukommt. Aber die Macht der Gewohnheit scheint schwer zu überwinden zu sein.

Rentokils Paketzusteller City Link, der ein Fünftel zu den Umsätzen beiträgt, sollte nach dem Zusammenschluss mit Target Express im Dezember 2006 in diesem Jahr zu einem der Wachstumsgaranten werden. Stattdessen fielen die Betriebsergebnisse im Schlussquartal 2007 um 60 Prozent, und der Paketzustelldienst kann froh sein, wenn er in diesem Jahr den Break-even erreicht. Die Rentokil-Aktie verlor nach Bekanntgabe der Neuigkeiten ein Viertel ihres Werts und Vorstandschef Brian McGowan kündigte seinen Rücktritt an.

Der Übereifer der Marke Rentokil scheint schlicht und ergreifend auf schwaches Management zurückzuführen zu sein. Während man sich bemühte, Geschäftsbereiche mit unterschiedlichen Kunden und Gepflogenheiten zu integrieren, blieben neue Verträge auf der Strecke und Rentokil vernachlässigte den Kundenservice.

Zusätzlich zu den betrieblichen Problemen hat Rentokil ein Glaubwürdigkeitsproblem. In seinem Umsatzbericht kurz vor Weihnachten machte das Unternehmen das schwache Handelsumfeld für die Schwierigkeiten bei City Link verantwortlich – eine Ursache, die außerhalb der unternehmerischen Kontrolle liegt. Jetzt sagt das Management, die wirklichen Probleme liegen in Bereichen, die man hätte richtig steuern können und müssen. So entsteht kein Vertrauen.

Nachdem die Aktien in den vergangenen drei Monaten die Hälfte ihres Werts verloren haben, wird eine Übernahme wahrscheinlicher. Rentokils Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Gewinnerwartungen für die Zukunft ist unter den Branchendurchschnitt gesunken. Noch im vergangenen Jahr wurde das Unternehmen die meiste Zeit mit Prämie gehandelt. Ein neuer Eigentümer könnte das Unternehmen aufspalten. Die Aktivitäten reichen von der Schädlingsbekämpfung bis zur Auslieferung tropischer Pflanzen. Aktionäre müssten dann jedenfalls keine halbgaren Expansionspläne mehr verdauen.

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