Research in Motion
Blackberry: Der Investmentbanker-Look ist passé

Während des Booms war es cool, ein Investmentbanker zu sein – oder zumindest wie einer auszusehen. Ein blank poliertes neues Spielgerät von Research in Motion gehörte zur Ausrüstung der Möchtegern-Finanziers einfach unbedingt dazu. Die jüngsten Zahlen des Blackberry-Herstellers lassen auf einen Stilwandel schließen.
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Während der Boom-Zeiten war es cool, ein Investmentbanker zu sein - oder zumindest wie einer auszusehen. Und ein blank poliertes neues Spielgerät von Research in Motion (RIM) gehörte zur Ausrüstung der Möchtegern-Dealmaker und Jünger der Finanzsteuerung einfach unbedingt dazu. Aber wenn man die jüngsten Zahlen von RIM dahingehend interpretiert, so erscheint es ein wenig passé, ein Investmentbanker zu sein.

Blackberrys gehörten zur Grundausstattung der Finanzprofis. Wall Street-Vertreter und ihre Brüder im Ausland stellten vor ein paar Jahren mehr als 15 Prozent der gesamten Abonnenten von RIM, berichten Analysten. Da war es nur natürlich, dass aufstrebende Angehörige der Welt der Hochfinanz, möglicherweise voller Neid auf die Dominanz der Banker in Zentren des Geldes wie London und New York, es ihnen gleich taten und sich ebenfalls ein solch prestigeträchtiges Gerät zulegten.

Mit Hilfe dieser Wundermaschinen konnten sie vielleicht leichter einen Tisch in angesagten Restaurants wie dem Per Se ergattern. Aber ohne Zweifel schnitt RIM dabei am besten ab. Die kanadische Firma sicherte sich happige 55 Prozent am Smartphone-Markt. Das Problem ist nur, dass die jüngsten Quartalszahlen von RIM scheinbar auf einen Stilwandel hindeuten.

RIM hat im vergangenen Quartal 7,8 Millionen Blackberrys verkauft. Das sind sechs Prozent weniger als von dem Unternehmen erwartet. Auch der Zuwachs an Abonnenten blieb um fast zehn Prozent hinter den Prognosen zurück. Dem Smartphone-Markt kann die Firma die Schuld nicht zuschieben, denn dort war der Gesamtabsatz im Mai trotz allgemein schwacher Verbraucherausgaben um 13 Prozent gestiegen.

Der Neid auf den Blackberry könnte von einem neuen Objekt der Begierde abgelöst worden sein: dem iPhone von Apple. Der Absatz des heißen Geräts hat sich im vergangenen Quartal mehr als verdoppelt. Und Apple hat gerade eine schnellere und billigere Version des Telefons auf den Markt gebracht, was ihm wahrscheinlich zusätzlichen Auftrieb verleihen wird.

Da Regierungen auf der ganzen Welt in populistischen Anfällen Banker als die Architekten der globalen Katastrophe verunglimpfen, ist der Reiz des Blackberry vielleicht verschwunden. Selbst der Pre, ein neues Modell des fast am Boden liegenden Geräteherstellers Palm, scheint von den Versuchen zu profitieren, sich von der Wall Street auch äußerlich abzusetzen. Nach Schätzungen von Analysten von Pacific Crest dürfte Palm bis Ende August mehr als 500 000 Pre-Modelle ausliefern.

De facto ist RIM immer noch der Marktführer bei Smartphones. Die jüngsten Zahlen bedeuten deshalb nicht, dass die Zukunft des Unternehmens als Lieferant von Luxus-Accessoires für immer vorbei ist. Und die Coolness der Banker? Nun, das mag eine andere Geschichte sein.

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