Restliche RTL-Aktien
Bertelsmann bietet fairen Preis

Bertelsmann hat viele Jahre gebraucht, um die Anteile anderer Gesellschafter des Fernsehkonzerns RTL aufzukaufen. Nun sollte es dem Medienunternehmen aus Gütersloh gelingen, auch die letzten Minderheitsanteile zu übernehmen. Dafür glaubt Bertelsmann nicht mehr als 1,3 Milliarden Euro ausgeben zu müssen, was einem Aufschlag von 19 Prozent gegenüber dem gestrigen RTL-Schlusskurs entspricht.

Um RTL zu bekommen, hat Bertelsmann einen langen Weg zurückgelegt. Das Medienunternehmen aus Gütersloh sicherte sich Zug um Zug immer größere Anteile an der europäischen Sendergruppe. Die Aktienmehrheit erlangte Bertelsmann erstmals 2001 durch die Übernahme der GBL-Anteile, ein Jahr später kam der Minderheitsanteil von Pearson dazu. Nun macht Bertelsmann einen neuen Versuch, die letzten noch nicht kontrollierten zehn Prozent der RTL-Aktien zu kaufen.

Die Motive hinter dem Streben nach vollständiger Kontrolle sind klar. So würde Bertelsmann Verwaltungskosten sparen, da ohne frei gehandelte Aktien lästige Berichtsanforderungen für RTL wegfielen. Zudem würde die von der milliardenschweren Mohn-Familie kontrollierte Gütersloher Mediengruppe näher an die sprudelnde Geldquelle RTL heranrücken, denn die Sendergruppe ist unter allen sechs Bertelsmann-Sparten die weitaus profitabelste.

Formell wurde noch kein Angebot abgegeben. Weil Informationen an die Presse durchsickerten, sah Bertelsmann sich aber zu der Mitteilung genötigt, dass man nicht mehr als 82 Euro pro Aktie oder insgesamt 1,3 Milliarden Euro für die übrigen RTL-Anteile ausgeben will. Dies entspricht einem Aufschlag von 19 Prozent gegenüber dem gestrigen RTL-Schlusskurs, die Sendergruppe würde auf dieser Basis mit dem Zwölffachen des künftigen EBITDA bewertet. Konkurrenten wie TF1, Mediaset und ITV dagegen werden im Schnitt nur zum Neunfachen des künftigen Betriebsgewinns gehandelt.

RTL-Aktionäre sollten mit diesem Aufschlag zufrieden sein. Der letzte – gescheiterte – Versuch zur Übernahme der vollen Kontrolle bei RTL fand vor fünf Jahren statt, als die Medienblase platzte. Damals bot Bertelsmann gerade einmal 44 Euro je Aktie, ein Aufschlag von lediglich acht Prozent gegenüber dem damaligen Aktienkurs. Die britische Mediengruppe Pearson akzeptierte weniger als ein Jahr zuvor das gleiche Angebot für seinen 22-Prozent-Anteil.

Die Wertentwicklung der RTL-Aktie übertraf in den letzten fünf Jahren den Dow Jones European Media Stoxx Index. Doch der Ausblick für das Geschäft mit frei empfangbarem Fernsehen wird zunehmend schwieriger, weil Werbetreibende ihre Mittel auf immer mehr Medien verteilen. Die restlichen RTL-Aktionäre werden also wohl ihre Schäfchen ins Trockene bringen und das für Januar erwartete verbindliche Bertelsmann-Angebot mit offenen Armen empfangen.

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