Rettung der US-Hypothekenbanken
Gefesselte Märkte

Einer der Gründe, die US-Finanzminister Henry Paulson für die Rettung von Fannie Mae und Freddie Mac angab, lautete, er wolle die Welt vor dem globalen Finanzchaos bewahren. Die Aktienbörsen scheinen ihm zuzustimmen - auf dem Markt für Festverzinsliche ist man sich da weniger sicher. Langfristig könnte die unbeabsichtigte Folge der Rettungsaktion eine wachsende Abneigung gegen Marktlösungen sein.

Henry Paulson wird die Welt nicht retten. Der US-Finanzminister rechtfertigte die Rettungsaktion für Fannie Mae und Freddie Mac zum Teil damit, dass er - zu Recht - auf den weltweiten Schaden hinwies, den ein Zusammenbruch der führenden Hypothekenfinanzierer anrichten könnte. Aber die Folge könnte eine unbeabsichtigte Fesselung der Märkte sein, also genau das Gegenteil davon, was den früheren Vorsitzenden von Goldman Sachs reich gemacht hat.

Nimmt man die Reaktionen an den Aktienbörsen zum Maßstab, dann haben die Anleger auf die Rettung überwiegend mit Zustimmung reagiert. Von Hongkong bis Manhatten kletterten die Aktienkurse, während die Zinsspannen der Credit Default Swaps zusammenschrumpften, weil man davon ausging, dass Kredite nun wieder leichter zu haben sein werden.

Die Rentenmärkte reagierten da schon zwiespältiger. Die Rettung wurde teilweise so strukturiert, dass ausländische Bondbesitzer, die die USA braucht, geschützt werden. Die Zeche zahlen die Aktionäre von Fannie Mae und Freddie Mac. Aber die ausländischen Investoren zeigen sich sichtlich undankbar. Die Renditen stiegen auf breiter Front, sie spiegeln Befürchtungen, dass die Rettungsaktion die Inflation anheizen und den Dollar entwerten könnte.

China und Japan halten mit mehr als 300 beziehungsweise mehr als 200 Milliarden Dollar die größten Anteile an den Staatsschulden der USA. Beide haben üppige Leistungsbilanzüberschüsse. Ihr Dilemma: - zweifellos noch angeheizt durch diplomatischen Druck aus den USA, Onkel Sam weiter zu unterstützen - sie müssen entscheiden, ob sie ihre Überschüsse auch zukünftig weiter in amerikanische Staatsanleihen zurückfließen lassen sollen.

Die staatlichen Garantien könnten das Vertrauen der Ausländer in die Hypothekenagenturen stärken, zulasten amerikanischer Treasury Bonds. Aber der Anstieg der Renditen kann ein erstes Zeichen dafür sein, dass die Ausländer anfangen, die Stirn zu runzeln. Sie machen sich Gedanken über die wachsende Einflussnahme der US-Regierung auf den Teil des Marktes, der einmal als privater Sektor galt.

Der Eingriff der Regierung könnte auch die Anti-Marktstimmung verstärken, die sich im Verlauf der Finanzkrise mit jedem Akt der Sozialisierung privater Verluste weiter verbreitete. In Italien hat die Berlusconi-Presse nicht lange gezögert und die anstehende Rettung der Hypothekeninstitutionen als Rechtfertigung für die staatlich gelenkte Wiederbelebung von Alitalia herangezogen.

Das nächste Mal, wenn die US-Behörden der EU oder den Emerging Markets wieder einen Rüffel wegen ihrer protektionistischen Tendenzen erteilen will, wird ihnen ein "Fannie Mae und Freddie Mac" entgegenschallen. Warum sollten französische Landwirte oder indische Industrielle die US-Werbung für das Wunder der Marktwirtschaft weiter ernst nehmen?

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