Rexel/Hagemeyer
Ohne zündende Funken

Der französische Elektrohändler Rexel bietet 3 Milliarden Euro in bar für den niederländischen Konkurrenten Hagemeyer. Hagemeyer-Aktionäre könnten versucht sein, auf einen Bieter mit besserem Angebot zu warten, aber die Aussichten auf eine Bieterrunde sind gleich Null.

Es sieht so aus, als könnten die Hagemeyer-Aktionäre die nächsten Opfer auf der langen Kollateralschaden-Liste der Kapitalmarktkrise werden. Der holländische Elektroteilehändler steht im Kreuzfeuer der Nummern eins und zwei auf dem Markt für Elektromaterial. Die französischen Konkurrenten sind sich einig, die Nummer drei unter sich aufzuteilen. Hoffnungen auf einen Finanzinvestor, der die Pläne der Wettbewerber zunichte machen könnte, sind bestenfalls hypothetisch. Branchenführer Rexel hat 3 Millarden Euro in Cash in die Waagschale geworfen, ein Angebot, das schwer abzulehnen ist – zumal Sonepar, die bereits vor zwei Wochen ein Kaufangebot vorgelegt haben, nun gemeinsame Sache mit dem neuen Bieter macht. Rexel will die europäischen Vermögensbestandteile des holländischen Konzerns übernehmen und Sonepar die US- und asiatisch-pazifischen Geschäftsfelder überlassen.

Das Kaufangebot über 4,60 Euro pro Aktie liegt nur knapp 8 Prozent über dem Sonepar-Angebot und entspricht einer Bewertung Hagemeyers zum 11-fachen des für das kommende Jahr erwarteten Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) – verglichen mit der entsprechenden Rexel-Kennzahl, ein Aufschlag von 50 Prozent. Auf den ersten Blick eine happige Prämie, aber Hagemeyer steht mitten im Turnaroundprozess. Rexel erhält damit größeren Einfluss auf die Preise der europäischen Anbieter, die noch eine gute Strecke Wegs zurücklegen müssen, bis sie die 70 bis 80 Millionen Euro pro Jahr an Synergieeffekten beitragen, die den Aufschlag von 47% auf den unbeeinflussten Aktienkurs rechtfertigen. Hinzu kommt einiges an Kostensynergien aus dem Vertrieb – Rexel, das mit deutlich besseren Margen als Hagemeyer arbeitet, sollte das Geschäft in die richtige Form zwingen können.

Über die Finanzierung des Deals hat das französische Unternehmen klare Vorstellungen. Wenn die Geschäftsbereiche USA und Asien an Sonepar weiterverkauft sind, bleiben Schulden in Höhe des vierfachen Ebitda, die man bei Rexel für vertretbar hält. Es ist anzunehmen, dass Rexel auch über Bankreserven verfügt, um das Geschäft noch etwas zu versüßen – als Preis für ein Delisting von Hagemeyer für das das Unternehmen 95 Prozent des Aktienkapitals erwerben muss. Sehr viel höher als 4,80 Euro dürfte Rexel aber nicht gehen, es sei denn für den unwahrscheinlichen Fall, dass doch noch ein unerwarteter Bieter auftaucht. Hagemeyers Management wird sich wohl damit abfinden müssen, dass seine autonomen Tage gezählt sind.

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