Richemont
Klunker statt Kippen

Der Luxusgüterkonzern Richemont könnte sich von seinem Anteil über 15 Mrd. Euro an British American Tobacco trennen. Damit würde Richemont seine Nikotinabhängigkeit aufgeben – und gleichzeitig auf eine andere Sucht setzen.

Jetzt ist es offiziell: Rauchen gilt nicht mehr als cool. Das Schweizerische Luxusgüterhaus Richemont, das solch schicke Marken wie Cartier, Montblanc und Chloe sein eigen nennt, will sich nach acht Jahren vielleicht von seinem Anteil von effektiv 30 Prozent an British American Tobacco (BAT) trennen. Die Entscheidung hängt zwar vorwiegend mit der Änderung des Steuerstatus der Gesellschaft in Luxemburg zusammen. Aber es ist ein Zeichen für das Vertrauen in den Luxusgütermarkt, dass Richemont bereit ist, seine Nikotinabhängigkeit aufzugeben.

Die 30prozentige Beteiligung an BAT – davon werden 20 Prozent direkt und zehn Prozent über ein Vehikel der Gründerfamilie von Richemont gehalten – hat sich als rentabel erwiesen. Als der Luxuskonzern die BAT-Aktien 1999 im Tausch für sein Tabakgeschäft Rothmans International übernommen hatte, war der Anteil rund fünf Mrd. Pfund Sterling wert gewesen. In der Zwischenzeit ist der Wert auf elf Mrd. Pfund gestiegen, dank eines branchenweiten Aufschwungs an den aufstrebenden Märkten und gut gemeisterter Umstrukturierungen. Der FT-SE-100-Index kann im gleichen Zeitraum ein Plus um gerade einmal sechs Prozent vorweisen.

Das stabile Ergebnisprofil des Tabakwarensegments bringt Richemont nicht mehr viel. Nach Jahren des Kampfs um die Sanierung seiner in Schwierigkeiten geratenen Marke Cartier schließen die vormals glanzlosen Zahlen jetzt zum Umsatzzuwachs und die Gewinnspannen zu denen der Konkurrenten auf. Die Konzentration des Unternehmens auf die am schnellsten wachsenden Insignien des Luxus – Uhren und Schmuck – hat sich ebenfalls ausgezahlt. Auf BAT entfallen nun rund 35 Prozent der Gesamtergebnisse von Richemont, verglichen mit über 60 Prozent 2003.

Natürlich gibt Richemont mit seiner Entscheidung eine Sucht auf und setzt dabei gleichzeitig auf eine andere. Der Aufwärtstrend im Luxusgüterbereich beruht auf der Vorstellung, dass reiche Konsumenten weiter hemmungslos Geld für Designer-Schmuck ausgeben. Richemont und Konsorten profitieren dabei vor allem von der Idee eines „Superzyklus“ für Luxuswaren, der von wohlhabenden chinesischen und indischen Kunden angetrieben wird. Diese Auffassung könnte sich allerdings noch als falsch erweisen – aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt rechtfertigt sie die Entscheidung, mit den Zigaretten aufzuhören.

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