Rio Tinto/China
Zurück ans Zeichenbrett

Chinesische Importe in Rekordhöhe sorgen für Produktionsrekorde bei der Minengesellschaft. Trotz der Forderungen nach Preissenkungen zahlen die Chinesen Rio und anderen Minenunternehmen tatsächlich den Referenzpreis. Die Verhaftung von Rios Chefunterhändler blieb demnach so gut wie wirkungslos. Vielleicht muss China seine Strategie noch einmal überdenken.
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Chinas Versuche Rio zu spalten und einen Fuß in den Eisenerzmarkt zu setzen, blieben ohne Erfolg. Investoren hatten schon Angst, dass die viel beachtete Absage, die die anglo-australische Minengesellschaft an Chinalcos Fusionswunsch vor ein paar Monaten erteilte, das Verhältnis zur Volksrepublik China getrübt haben könnte. Aber Rios rekordverdächtige Eisenerzproduktion im vergangenen Quartal - die vor allem der Rekordnachfrage Chinas im September zu verdanken war - sollte ihre Sorgen inzwischen zerstreut haben.

Der Produktionszuwachs wurde von einem entsprechenden Preisanstieg begleitet. Die schnell steigenden Kassapreise zeigen deutlich, dass es der Chinese Iron Ore and Steel Association (CISA) - die zum erstenmal die Verhandlungen für die Stahlwerke der Volksrepublik führte - nicht gelungen ist, bei Rio größere Preisabschläge durchzusetzen als bei anderen führenden Minengesellschaften Asiens. Und da die alten Verträge bereits im März ausgelaufen sind, haben die Chinesen Rio, BHP Billiton und Vale vorläufig einen Preis gezahlt, der auf Referenzniveau liegt.

Selbst die andauernde Untersuchungshaft von Rios Eisenerz-Chefunterhändler, dem Australier Stern Hu, hat den Markt kaum beeinflusst, obwohl sie in der Presse für Schlagzeilen sorgt. Hu wird vorgeworfen, Schmiergelder gezahlt zu haben. Die einzige Wirkung des Verfahrens besteht darin, dass Rio und seine großen Konkurrenten BHP Billiton und Vale jetzt vorsichtiger agieren. Ihre Verhandlungen über einen Abnahmevertrag für das laufende Jahr haben sie, nach Informationen aus Kreisen, die zwei der Unternehmen nahe stehen, formal erst einmal eingestellt. Stattdessen bereiten sich die Minenmanager darauf vor, informelle Vertragsverhandlungen für das kommende Jahr aufzunehmen.

Wenn China bessere Eisenerz-Konditionen erhalten will als andere Länder, sollten die Verantwortlichen ihre Verhandlungsstrategie überdenken. CISA-Generalsekretär Shan Shanghua schlug zum Beispiel vor, die Vertragslaufzeit an das Kalenderjahr anzupassen, wodurch China sich schon vor anderen asiatischen Abnehmern mit den Minenbetreibern einigen könnte. Dabei könnte der Fehlschlag des vergangenen Jahres nach Meinung einer gut informierten Person auch bewirken, dass China in Zukunft seinen großen Stahlunternehmen, wie zum Beispiel Baosteel, die Verhandlungsführerschaft überlässt.

Aber solange die Stahlpreise nicht sinken, sieht es ganz danach aus, als ob China zurück ans Reißbrett müsste.

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