Rio Tinto
Ein Etappensieg

Applaus für Rio Tinto! Eine Bezugsrechtsemission über 15 Mrd. Dollar dem Pakt mit der chinesischen Staatsfirma Chinalco vorzuziehen, war die richtige Entscheidung. Aber um sich weitere sechs Mrd. Dollar zu beschaffen, muss die Minengesellschaft ihre besten Eisenerzanlagen in ein Joint Venture mit dem Erzrivalen BHP Billiton einbringen - ein Vorhaben, über das Rio keine Kontrolle hat.
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Rio hat sich aus einem unbeliebten Deal befreit. Doch die Übereinkunft, die an seine Stelle tritt, kommt für die Aktionäre der Bergwerksgesellschaft nur einem Teilsieg gleich.

Rio verdient Lob dafür, die Abmachung über eine 19,5 Mrd. Dollar umfassende Kapitalspritze durch die staatliche chinesische Chinalco aufgekündigt zu haben. Die Aktionäre werden von der Alternativlösung stärker profitieren: Eine fest übernommene Bezugsrechtsemission über 15 Mrd. Dollar und 5,8 Mrd. Dollar Cash aus einem Joint Venture für westaustralisches Eisenerz mit dem Erzrivalen BHP Billiton.

Die Kapitalerhöhung lag im Februar, als der Chinalco-Deal besiegelt worden war, für Rio noch außer Reichweite. Aber jetzt ist sie zu einer Option geworden, und Rio hat Recht, diese Chance zu ergreifen. Und aus dem Gemeinschaftsunternehmen könnten große Synergien erwachsen. Rio beziffert ihren heutigen Wert mit zehn Mrd. Dollar. Doch ihr eigentlicher Umfang könnte näher bei 30 Mrd. Dollar liegen, zieht man die Zahlen heran, mit denen BHP im vergangenen Jahr um sich geworfen hat. Kein Wunder, dass die australischen Titel von Rio am Freitag um acht Prozent gestiegen sind.

Trotzdem gibt die paritätische Gestaltung des Joint Venture Anlass zur Sorge. Wenn die beiden Seiten sich zerstreiten, dann würde der Konflikt nur immer weiter die Befehlskette hinauf eskalieren - bis zur grausamen Schlichtung. Und die geschwächte Verhandlungsposition von Rio spiegelt sich auch in der Zusage wider, dass der Chief Executive des Vorhabens in den ersten vier Jahren von BHP gestellt wird.

Die Bewertungen sind ebenfalls nicht schlüssig. Die beiden Seiten hatten sich bereits heftig wegen des relativen Werts der australischen Eisenerzanlagen bekriegt, als BHP 2007 eine Übernahme-Offerte für Rio unterbreitet hatte. Jetzt sagen sie, dass die Vermögenswerte von Rio 55 Prozent des Joint Ventures ausmachen. Diese Zahl basiert auf einer Reihe von - noch nicht offen dargelegten - Bewertungsmethoden.

Doch die Produktionszahlen des vergangenen Jahres lassen darauf schließen, dass BHP einen ziemlich moderaten Preis zahlt. Rio und BHP haben 2008 zusammen 249 Mill. Tonnen an Erz ausgegraben, davon entfallen 142 Mill. t auf Rio. Um für einen Ausgleich zu sorgen, müsste BHP 17,5 Mill. t aus der Produktion von Rio kaufen. Teilt man die Barzahlung von 5,8 Mrd. Dollar durch die zum Ausgleich erworbenen Tonnen, dann scheint BHP einen Wert pro Tonne von 331 Mill. Dollar zu zahlen. Zum Vergleich: Chinalco hatte für die zum Kernbereich zählenden Vermögenswerte von Rio im Pilbara-Komplex 360 Mill. Dollar pro Tonne geboten.

Die Synergien lassen solche Bewertungssorgen vielleicht als pure Lappalie erscheinen. Aber da wäre ja auch noch die Frage, was aus den Beziehungen von Rio zu China wird. Chinalco hat erst Donnerstagnacht erfahren, dass sie entbehrlich ist. Verständlicherweise hat das Management verärgert reagiert.

In absehbarer Zukunft wird China so viel Eisenerz brauchen, dass das Land nehmen muss, was es kriegen kann - von Freund und Feind. Aber das Reich der Mitte ist berühmt für sein gutes Gedächtnis. Rio hat die richtige Entscheidung getroffen - aber das Unternehmen könnte sich dabei einen mächtigen Feind eingehandelt haben.

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