Rio Tinto
Plan B

Die Aktien von Rio Tinto sind so kräftig gestiegen, dass Chinalco von den Konditionen ihrer Kapitalspritze über 19 Mrd. Dollar über Gebühr profitiert hätte. Rio kann nach der Aufhebung des Deals eine Mega-Bezugsrechtsemission in Angriff nehmen. Erst sollten die Aktionäre abgeschöpft werden, bevor sich die Minengesellschaft an den Konkurrenten BHP Billiton wendet.
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Rio Tinto hat Recht, Plan A aufzugeben und Plan B anzupacken. Nach einem starken Anstieg des Aktienkurses der britisch-australischen Bergwerksgesellschaft hätten die Konditionen einer Kapitalspritze über 19,5 Mrd. Dollar, die im Februar mit Chinalco ausgehandelt worden war, der staatlichen chinesischen Aluminiumgruppe viel zu billig in die Hände gespielt.

Der Deal mit dem größten Aktionär und praktisch auch dem größten Kunden von Rio war vielleicht damals sinnvoll gewesen, als der Minengigant über nur wenige Optionen verfügt hatte, seine Schulden über happige 19 Mrd. Dollar zurückzuzahlen, die in den kommenden 16 Monaten fällig werden. Gemäß der ursprünglichen Übereinkunft sollte Rio 12,3 Mrd. Dollar einspielen, indem die Firma den Chinesen Beteiligungen an einigen ihrer besten Vermögenswerte verkauft hätte. Dazu sollte eine Wandelanleihe über 7,2 Mrd. Dollar kommen, die unter den derzeitigen Marktkursen gelegen hätte.

Seit der Ankündigung des Chinalco-Deals sind die Marktkurse um 40 Prozent geklettert und die Position von Rio hat sich immens verbessert. Die Aktionäre waren von Vornherein nicht zufrieden damit, dass das Rio-Management eine strategische Lösung für ein finanzielles Problem angestrebt hatte. Auf jeden Fall konnten sich Rio und Chinalco scheinbar nicht auf neue Konditionen einigen.

Eine Mega-Bezugsrechtsemission sieht jetzt machbar aus. Die Lage auf den Kapitalmärkten hat sich beträchtlich erholt, wie die HSBC jüngst mit ihrer Kapitalerhöhung über 20 Mrd. Dollar gezeigt hat. Nach Ansicht von Bankern kann Rio damit rechnen, dass mindestens zwölf Mrd. Dollar untergebracht werden, selbst wenn Chinalco, die neun Prozent an Rio hält, ihren Anteil nicht übernimmt. Damit könnte Rio die Vorkaufsrechte ihrer Aktionäre wahren und es vermeiden, den Chinesen eine zu große Kontrolle einzuräumen.

Eine Bezugsrechtsemission über zwölf Mrd. Dollar würde zwar die Finanzierungslücke nicht schließen, aber sie würde Rio Zeit geben, den nächsten Schritt zu planen. Zuerst sollte das Unternehmen bei den eigenen Aktionären so viele Mittel abschöpfen wie möglich, bevor sie sich weiteres Geld aus dem Verkauf von Vermögenswerten beschafft. Aber wenn Verkäufe notwendig werden, dann könnte eine weniger schwache Bilanz Rio in eine bessere Ausgangslage hieven, um höhere Preise durchzusetzen.

Abgesehen von den Chinesen hätte wohl der üppig mit Liquidität ausgestattete Konkurrent BHP Billiton das größte Kaufinteresse. BHP hatte sich zwar aus der von ihm vorgeschlagenen Fusion der beiden Unternehmen zurückgezogen, möchte jedoch unbedingt das Beste aus seiner starken Bilanz machen. Angesichts eines solchen Käufers werden die Aktionäre von Rio dankbar dafür sein, wenn die Annäherung an einen Verkauf in zwei vorsichtigen Schritten erfolgt.

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