Rio Tinto
Rio Tinto im Würgegriff des Drachen

Es ist schwer mit einer diktatorischen Regierung zu verhandeln, die mehrere Manager festgenommen hat. In einem solchen Dilemma befindet sich aktuell Rio Tinto. Vier Mitarbeiter sind in China wegen Spionage verdächtigt. Gleichzeitig verhandelt die Bergwerksgesellschaft derzeit mit China über mehrere Milliardendeals.
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Rio Tinto ist an einer chinesischen Straßensperre gestrandet. Seitdem die Bergwerksgesellschaft sich aus einem Zusammenschluss mit der staatlichen chinesischen Chinalco zurückgezogen hat, sind die Beziehungen des Unternehmens zu den Machthabern in Peking angespannt. Da vier Rio-Manager aufgrund vager Anschuldigungen, sich Staatsgeheimnisse erkauft zu haben, in Shanghai einsitzen, kann sich die Firma in Ausschlag gebenden Angelegenheiten nicht mehr bewegen: Sie kann die jährlichen Eisenerzkontrakte mit China, ihrem größten Kunden, nicht unter Dach und Fach bringen und sie kann sich nicht auf die 5,8 Mrd. Dollar verlassen, die aus einem vereinbarten Joint Venture mit BHP Billiton fließen sollen.

Theoretisch sind diese drei Themen - die Festnahmen, die Verhandlungen und das Gemeinschaftsunternehmen - voneinander getrennt. Aber es ist unmöglich, die Vielzahl der verschiedenen Probleme, die Rio in China hat, zu entwirren. Die Kontraktverhandlungen dürften nicht zum Abschluss gebracht werden, solange der Hauptunterhändler im Gefängnis sitzt. Und Rio kann auch nicht vorhersagen, ob eine der drei chinesischen Kartellbehörden nicht versucht, einen Deal zu blockieren, der die operativen Geschäfte - aber nicht das Marketing - zweier führender Eisenerzzulieferer konsolidieren würde.

Keiner der genannten Punkte bringt Rio derzeit in finanzielle Bedrängnis. Tatsächlich könnte die Verzögerung bei den Einserzkontrakten dem Unternehmen eher zuträglich sein, da die chinesischen Käufer den Spotmarktkurs zahlen - der über dem Niveau jüngst unterzeichneter Verträge in anderen asiatischen Regionen liegt. Und da Rio vor kurzem erfolgreich eine Bezugsrechtsemission von mehr als 15 Mrd. Dollar über die Bühne gebracht hat, ist die Firma nicht unbedingt auf den Cash von BHP angewiesen, um mit den Verbindlichkeiten über 19 Mrd. Dollar zurechtzukommen, die in den kommenden vierzehn Monaten fällig werden.

Doch Rio würde sich gern die Planungssicherheit verschaffen, die die Jahresverträge für diesen Schlüsselrohstoff mit sich bringen. Zudem würde die Minengesellschaft gern bei ihrem großen australischen Joint Venture vorankommen. Das wird nicht einfach werden, wenn das chinesische Wirtschaftsministerium, das als der maßgebliche Branchenwächter gilt, seinen Einspruch einlegt. Eine üppige Geldstrafe für monopolistisches Vorgehen - ein denkbarer Ausgang, auch wenn er schwierig umzusetzen sein dürfte - könnte die Bilanz von Rio unter Druck setzen.

Auf den von starker Konsolidierung geprägten Rohstoffmärkten braucht Rio China als Kunden und China braucht Rio als Zulieferer. Doch trotz dieser gegenseitigen Abhängigkeit scheint es so, als sei Rio abhängiger als China. Rio hat nur wenig Kontrolle darüber, wie diese überaus wichtige Beziehung sich weiter entfalten wird.

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