Risikokapital-Steuer
Zentralbankliquidität sollte keine Gratisleistung sein

Viele Banken hätten die Krise ohne die reichlich sprudelnden Liquiditätshilfen der Zentralbanken nicht überlebt. Eine Reform, die dazu beitragen könnte, solche Krisen in Zukunft zu vermeiden, bestünde darin, die potenziellen Nutzer für diese Dienstleistung zur Kasse zu bitten – im Voraus. Je mehr Risikokapital die Banken bewegen, desto mehr sollten sie zahlen.
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Während der Krise konnten sich viele Banken nicht mehr über den Markt refinanzieren. Also wandten sie sich an die Zentralbanken, um die dringend benötigte Liquidität zu erhalten. Die Rolle des Lender of Last Resort (letzte Refinanzierungsinstanz) ist bei den Zentralbanken richtig angesiedelt. Sie sollten sie aber nicht umsonst spielen. Banken sollten von vornherein für die potenzielle Inanspruchnahme dieser Dienstleistung bezahlen.

Walter Bagehot, der Volkswirt des 19. Jahrhunderts, forderte, dass Zentralbanken während einer Krise freizügig Liquidität zur Verfügung stellen sollten, allerdings gegen die Zahlung von Strafzinsen. Leider wurde seine Maxime während der Krise nur zur Hälfte befolgt. In den meisten Fällen entschieden die Behörden, dass die betroffenen Banken so sehr in der Bredouille steckten, dass Strafzinsen für sie unbezahlbar waren.

Auf dem Höhepunkt der Krise traf das vielleicht auch zu. Es gibt allerdings einen Weg, die Banken für die Liquiditätshilfen zahlen zu lassen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass riskante Finanztransaktionen von vornherein begrenzt werden. Die Zentralbanken sollten sich von den Banken für das Recht bezahlen lassen, im Krisenfall auf die letzte Kreditinstanz zurückzugreifen. Genauso, wie gesunde Unternehmen Gebühren für ihre Kreditlinien zahlen, könnten auch liquide Banken eine Art Versicherung gegen einen eventuellen Liquiditätsengpass erwerben.

Je mehr Risikokapital eine Bank bewegt, desto höher sollte dabei die Versicherungsprämie ausfallen. Eine Bank, die sich hauptsächlich über Einlagen refinanziert, sollte zum Beispiel eine sehr viel geringere Prämie zahlen als ein Unternehmen, dass sich auf riskante Finanztransaktionen auf den Wie-gewonnen-so-zeronnen-Märkten einlässt.

Richtig austarierte Prämien schaffen Anreize für die Banken, das Einlagengeschäft auszubauen, das tendenziell eine stabilere Refinanzierungsgrundlage bietet. Gleichzeitig würde es weniger attraktiv, kurzfristige und risikoreiche Gelder aufzunehmen, um sie in illiquide langfristige Anlagen zu investieren. Es ist auch vorstellbar, dass die Zentralbanken die Liquiditätsgebühren im Verlauf des Konjunkturzyklus variieren. Wächst das Kreditvolumen nach ihrem Urteil zu schnell, können sie die Prämienforderungen erhöhen. Sie hätten damit auch ein nützliches zusätzliches Instrument in der Hand, um einer Blasenbildung am Markt frühzeitig entgegenzuwirken.

Und schließlich hätten die Währungsbehörden auch noch den Vorteil, während der guten Zeiten Reserven anzusammeln. Sie könnten dazu beitragen, die Verluste der Steuerzahler zu begrenzen, wenn die nächste Blase platzt.

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