Rohöl
Keine Entlastung durch die Opec

Eine drohende schnelle und globale Rezession bedeutet, dass selbst die angekündigten Produktionskürzungen der Opec einen weiteren Rückgang der Rohölpreise vielleicht nicht verhindern können. Selbst wenn das Kartell an den Preisen dranbleibt, könnte sich der ins Stocken geratene Verbrauch in den importierenden Ländern weiter verringern. Aber billigeres Öl würde wiederum die Belastungen der Finanzmärkte verstärken.

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) will dem Preisrückgang bei Rohöl Einhalt gebieten. Das Kartell hat am Freitag eine Kürzung der täglichen Förderung um 1,5 Mill. Barrel angekündigt - das entspricht rund 1,8 Prozent der weltweiten Nachfrage. Wenn die Verringerung greift und der Preis sich stabilisiert oder steigt, wird der Rest der Welt leiden. Aber wenn die Opec den Preis nicht stützen kann, wird der Rest der Welt ohnehin leiden.

Während der Zeiten allseits verfügbarer Kredite standen für die Rohölkäufer jederzeit Mittel bereit, die Nachfrage war hoch und der Preis stieg immer weiter. Aber sobald der Abbau des Fremdkapitaleinsatzes eingesetzt hatte und wie eine Lawine über die Rohstoffpreise hereingebrochen war, trockneten die Quellen aus, das Wirtschaftswachstum verlangsamte sich und die Rohölpreise fielen. Auch am Freitagmorgen sank der Ölpreis um zwei Dollar je Barrel - trotz der Ankündigung der Opec.

Die Händler haben gute Gründe, daran zu zweifeln, dass die angekündigten Kürzungen tatsächlich stattfinden werden. Wenn der Ölpreis sinkt, erhöht sich die Versuchung für die Opec-Regierungen, deren wirtschaftliche Lage angespannt ist, bei ihren Quoten zu schummeln. Und das Verhalten der Förderländer, die nicht der Opec angehören, steht zudem auf einem ganz anderen Blatt.

Aber nehmen wir einmal an, der Ölpreis stabilisiert sich tatsächlich ungefähr auf dem derzeitigen Niveau. Langfristig wäre dies erstrebenswert. Rohöl bei 60 bis 70 Dollar je Barrel ist teuer genug, um eine zusätzliche Förderung zu unterstützen, aber gleichzeitig billig genug, um das Wachstum in den importierenden Staaten nicht zu drücken.

Kurzfristig gesehen, würde ein stabiler Ölpreis allerdings den politisch Verantwortlichen das Leben erschweren, die versuchen, das schrumpfende Bruttoinlandsprodukt abzuwehren. Die zusätzliche Kaufkraft, die durch die fallenden Benzinpreise freigesetzt wurde, ist eines der wenigen tröstlichen Elemente in einem düsteren Umfeld. Wenn die Ölpreise steigen, wie die Opec-Falken dies wünschen, würden sich die Schwierigkeiten vervielfachen. Die Unternehmensgewinne würden weiter in Mitleidenschaft gezogen und die Zentralbanken dürften sich vielleicht nicht mehr so frei in ihrer Entscheidung fühlen, die Zinsen zu senken.

Aber billigeres Öl würde wahrscheinlich wiederum für die Finanzmärkte nichts Gutes bedeuten. Die Dollar-Beträge, die die Ölexporteure investiert haben, würden sich verringern und den ohnehin schon starken Druck auf die Preise der Vermögenswerte intensivieren. Wenn fallende Rohöleinnahmen in schlecht verwalteten, vom Öl abhängigen Ländern wie Venezuela und Russland, zu politischen Kämpfen führen würden, wäre der Schaden für die Märkte vielleicht sogar noch größer.

Was auch immer geschieht, Öl wird die aufgewühlten Finanzwogen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht glätten. Inmitten einer Kernschmelze kann es beim Wetten auf den Ölpreis nur Verlierer geben.

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