Rohölprognose 2008
Spielraum nach unten

Das Nachfragewachstum bei Rohöl verlangsamt sich und die Förderung steigt. Das klingt wie ein Patentrezept für niedrigere Preise. Die angespannte Lage auf den Kreditmärkten könnte zudem einen schnelleren Preisrückgang auslösen. Aber da Rohöl bei 95 Dollar je Barrel gehandelt wird, müsste der Rückgang schon recht ausgeprägt ausfallen, damit die Preise unter den für 2007 gesehenen Durchschnitt von 70 Dollar je Fass sinken. Doch ausgeschlossen ist dies nicht.

Wenn einfach nur Angebot und Nachfrage den Preis von Rohöl bestimmen würden, dann hätte er in diesem Jahr niemals das Niveau von 99 Dollar je Barrel erreichen dürfen. Die höheren Preise haben das Nachfragewachstum abgemildert. Und im vergangenen Quartal war genug Rohöl im Angebot, so dass die Lagerbestände ausreichten, um die Nachfrage für 83 Tage abzudecken. Diese Zeitspanne lag 2002 bei 79 Tagen, und das bei Preisen von durchschnittlich nur 26 Dollar, also fast einem Viertel des derzeitigen Preises.

Eine simple Analyse von Angebot und Nachfrage lässt für 2008 auf einen niedrigeren Ölpreis schließen. Die Nachfrage sollte sich um 1,2 Mill. Barrel pro Tag (bpd) erhöhen, schätzt die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). Eine von der Regierung angeordnete Anhebung der Kraftstoffpreise um zehn Prozent schwächt die Steigerung des Verbrauchs in China ab; die höheren Preise und verminderte Subventionen sollten in anderen Ländern ähnliche Auswirkungen haben.

Dagegen dürfte das Angebot ohne Probleme mit der Nachfrage mithalten können. Die immer wieder auftauchende Besorgnis über eine bedeutende Störung der Lieferungen aus dem Mittleren Osten hat sich bis jetzt als absolut grundlos erwiesen. Ein Krieg mit Iran ist äußerst unwahrscheinlich, nachdem im jüngsten Bericht der US-Geheimdienste festgestellt wurde, dass das Land seine Pläne, in den Besitz von Atomwaffen zu kommen, vor Jahren aufgegeben hat. Die Ölförderung im Irak ist in der Zwischenzeit zum ersten Mal wieder über das Niveau von vor dem Einmarsch der US-Truppen gestiegen und dürfte 2008 weiter wachsen. Außerhalb des Mittleren Ostens, wird die Förderung der Produzenten, die nicht der Opec angehören, vermutlich um 1,1 Mill. bpd steigen, das sind 57 Prozent mehr als im vergangenen Jahr.

Doch diese Analyse greift viel zu kurz. Aber auch die offensichtlichste Komplikation – ein Wirtschaftswachstum, das geringer ausfällt als derzeit prognostiziert – deutet für den Ölpreis in dieselbe Richtung: nach unten. Nach Angaben von Oppenheimer lautet das Mittel von 35 Prognosen für den Durchschnittspreis von Rohöl für 2008 auf 75 Dollar je Barrel. Das sind fünf Dollar mehr als der erwartete Durchschnitt für 2007. Aber wenn sich diese Vorhersage als richtig erweist, wird sich das Preisniveau für 2008 niedriger anfühlen, weil der Durchschnitt fast um 20 Prozent unter dem Preis zum Jahreswechsel liegen würde.

Aber natürlich spielt beim Ölpreis mehr mit als nur Angebot und Nachfrage. Da sind die von rein finanziellen Interessen getriebenen Marktteilnehmer, die einen beträchtlichen, aber nicht genau bekannten Anteil an den derzeitigen Lagerbeständen innehaben. Und da ist die Verfügbarkeit von Krediten und deren Kosten, die festlegen, wie leicht es für die Kunden und Spekulanten ist, den Preis nach oben zu treiben.

An Kredite zu kommen, scheint überall härter zu werden. Wenn die finanziellen Bedingungen schwierig bleiben, dann könnte die nächste Überraschung bei der Entwicklung der Ölpreise das Tempo ihres Verfalls sein. Damit würden die derzeitigen Preisvorhersagen optimistisch aussehen. Aber eine frühere Prognose hätte sich bewahrheitet: Im Juni 2007 hatte Consensus Economics eine durchschnittliche Schätzung des Ölpreises für Juni 2008 von 63 Dollar je Barrel ermittelt.

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