Rohstoffe
Chinas Jagd nach Öl

Argentinien, Irak und jetzt möglicherweise Nigeria - die chinesischen Energiegesellschaften suchen an risikoreichen Plätzen nach den ganz großen Ölinvestitionen. China setzt die westlichen Erdölfirmen unter Druck. Das muss nicht nur von Nachteil sein. Die Chinesen können auch zu guten Partnern werden.
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China und Nigeria haben den westlichen Erdölgesellschaften gerade einen weiteren Grund zur Besorgnis geliefert. Bis jetzt waren chinesische Ölfirmen immer in risikoreichen Gegenden der Welt auf die Jagd nach dem Rohstoff gegangen, wo die Ölgiganten nicht schon massiv vertreten sind oder wo sie mit Freuden verkaufen wollen, wie etwa in Irak und Argentinien. Doch jetzt stößt China in großem Stil nach Nigeria vor, berichtet die "Financial Times". CNOOC, eine der drei größten Erdölgesellschaften Chinas, bietet dort angeblich für sechs Mrd. Barrel der Erdölreserven.

Dies würde einem Richtungswechsel gleich kommen. Denn im unsicheren Nigeria sind westliche Ölkonzerne, nämlich Shell, Total, Chevron und ExxonMobil, bereits aktiv. Die Chinesen wollen sich in Blöcke hineindrängen, die teilweise schon im Besitz dieser Großunternehmen sind.

Wie die Konditionen eines Deals aussehen sollen, bei dem die Chinesen Einlass erhalten oder bei dem die Firmen aus dem Westen vor die Tür gesetzt werden, liegt im Dunklen. Alles, was einer Beschlagnahme ähnelt, erscheint unwahrscheinlich, denn die Nigerianer brauchen die westliche Expertise. Zudem wäre dann das juristische Chaos perfekt. Doch da die Beziehungen zwischen den führenden Erdölfirmen und der nigerianischen Regierung angespannt sind, könnte Nigeria versuchen, die Chinesen zu instrumentalisieren, um den derzeitigen Inhabern Zugeständnisse abzuringen.

Die reichen Chinesen werden zwar immer mehr zu einer Wettbewerbsbedrohung für die westlichen Unternehmen. Doch dadurch könnte sich auch ein Silberstreif am Horizont abzeichnen. Shell wirkt zunehmend entnervt, was die Sicherheitslage in Nigeria angeht und verkauft bereits einige Liegenschaften in dem Land. Fände sich ein williger Käufer, dann könnte Shell seine Verkäufe mit Macht vorantreiben. In Argentinien scheinen die Chinesen die einzigen Bieter weit und breit zu sein, die an der Übernahme der gesamten YPF, die von der spanischen Repsol kontrolliert wird, interessiert sind.

Zudem machen pragmatisch vorgehende westliche Ölfirmen gerade die Erfahrung, dass Untenehmen aus China zu guten Partnern werden können. BP und Shell, zum Beispiel, haben sich bei der jüngsten irakischen Ölauktion mit chinesischen Branchenkollegen zusammengeschlossen. Die meisten Beobachter waren davon ausgegangen, dass sich Sinopec, CNOOC und CNPP verbünden würden, um die Westler zu überbieten.

Im Grunde sind die westlichen Erdölgiganten eigentlich daran interessiert, ihre Beziehungen zu China auszubauen, und umgekehrt. China braucht die technologischen Fachkenntnisse, die nur die großen Unternehmen aus dem Westen zu bieten haben, um die eigenwillig gelagerten Ölreserven des Landes zu heben. China wird außerdem bald zum größten Erdölimporteur der Welt avancieren. Die chinesischen Erdöl- und Erdgasfirmen werden in der Branche zweifellos eine bedeutende Rolle spielen. Und wenn du sie schon nicht besiegen kannst, dann verbünde dich mit ihnen.

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