Rohstoffe
Ölpreis: 45 Dollar sind nicht billig

Man kann leicht aus den Augen verlieren, dass der Ölpreis im vergangenen Jahr einen Stand von 147 US-Dollar erreichte. Vor diesem Superhoch wurde Öl jahrzehntelang für weniger als 35 US-Dollar gehandelt. Wenn die Produzenten glauben, dass das aktuelle Preisniveau zu niedrig ist, dann liegt das daran, dass sie sich zunehmend an die hohen Preise gewöhnt haben.

Die OPEC tut alles, was sie kann, um den Ölpreis wieder in eine Region von 75 US-Dollar pro Fass hochzureden, die sie als "angemessen" bezeichnet. Einige Analysten glauben sogar, dass der Ölpreis diesen Stand bis zum Jahresende erreichen wird. Doch die Vorstellung, dass dies eine Rückkehr zur Normalität bedeutet, erscheint wenig sinnvoll.

Öl wurde bis zum Jahr 2004 jahrzehntelang ziemlich beständig unterhalb von 35 US-Dollar gehandelt. Tony Hayward, der Chef des Ölriesen BP, sagte jüngst auf einer Konferenz, dass er sich an Zeiten erinnert, in denen 40 US-Dollar sich wie ein fantastischer Preis anfühlten.

Wie kommt es zu Haywards Superlativ? Weil vor nicht langer Zeit 40 US-Dollar komfortabel über dem langfristigen Gleichgewichtspreis lagen, zu dem das Angebot in der Theorie die Nachfrage stillt. In den späten 1990ern wurden Ölfirmen zu Bewertungen gehandelt, die einen langfristigen Ölpreis von etwa 15 US-Dollar pro Fass zugrunde legten. In den ersten zwei Jahren des neuen Jahrtausends schätzten Analysten den langfristigen Ölpreis auf rund 20 US-Dollar pro Fass. Bis 2004 stieg diese Prognose auf nur 25 US-Dollar, nachdem das Schlimmste des ersten Mini-Abschwungs sicher vorbei war.

Es gibt gute Gründe, anzunehmen, dass der vergleichbare Wert heute höher liegt. Vielleicht über 40 US-Dollar, knapp unter dem aktuellen Preis. Grundsätzlich sollte der Ölpreis im Gleichklang mit der globalen Inflationsrate steigen, wenn alles andere gleich bleibt. Nehmen wir an, er lag 1995 bei 15 US-Dollar. Dann sollte der Preis heute bei 21 US-Dollar liegen. Die Produktionskosten sind aber auch gestiegen, und es ist das letzte, teuerste Fass, dass zur Befriedigung der Nachfrage nötig ist, dass den Preis für alle Fässer setzt. Produzenten müssen immer öfter an schwierigen Orten wie im Tiefwasser oder in Teersänden bohren, Bei Teersänden liegen die Kosten für die Förderung eines Fasses nach Schätzungen des britisch-niederländischen Ölgiganten Shell bei rund 38 US-Dollar, und die Transport- und Raffineriekosten sind ebenfalls gestiegen.

Für Ölproduzenten sind 40 US-Dollar kein fantastischer Preis mehr. Die OPEC-Mitglieder haben echte Probleme damit, ihre Haushalte bei diesem Preisniveau im Gleichgewicht zu halten. Shell und andere Ölfirmen haben unterdessen Investitionspläne aufgelegt, deren Erträge auf der Annahme höherer Preise beruhen.

Wunschdenken kann aber den Ölpreis nicht stützen. Fundamental betrachtet gibt es wenig, was die Annahme rechtfertigen könnte, dass der langfristige Gleichgewichtspreis in nur fünf Jahren um 50 US-Dollar gestiegen ist.

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