Rohstoffgiganten
Rio Tinto vor dem Ruin

Eine Mine zu graben, dauert Jahre, ihr Einsturz dagegen nur Sekunden. Der anglo-australische Metallkonzern BHP Billiton, hat sich am Dienstag beim vor einem Jahr angekündigten Aufkauf aller Rio-Tinto-Aktien eines Besseren besonnen. Damit steht Rio Tinto vor dem Ruin. Die Aktien des Rohstoffgiganten fielen um 35 Prozent – ein Wertverlust von neun Milliarden Pfund.

BHP hat gute Gründe für den Rückzieher. Die gesunkenen Rohstoffpreise haben die Geldströme beider Unternehmen dezimiert und somit die unausgesprochenen Verlockungen des Deals - mögliche Preistreiberei während des Börsenhochs - platzen lassen. Zudem hätte man sich in der derzeitigen Lage schwer getan, für die von der EU-Kommission bei einer Übernahme geforderten Anteilsverkäufe liquide Bieter zu finden.

Die Crux liegt jedoch in der Finanzierung. Rio wird belastet durch 38 Milliarden Dollar Schulden nach der letztjährigen Übernahme des kanadischen Aluminiumproduzenten Alcan. Auch BHP sitzt auf sechs Milliarden Dollar schweren Nettoverbindlichkeiten. Der gleichzeitige Absturz beider Unternehmenswerte würde Rio ungleich härter treffen. Nach dem Absinken der Rio-Aktien um 35 Prozent und dem Anstieg der BHP-Papiere um 13 Prozent standen die beiden Unternehmenswerte bei dem 3,6-fachen des vorhergesagten EBITDAs für 2009. Somit wäre eine Rio-Aktie 1,4 BHP-Papiere wert und damit weit weniger, als die durch BHP gebotenen 3,4 Aktien.

BHP hat sich angesichts der weltweiten Rezession also für leichteres Marschgepäck entschieden. Rio steckt hingegen in der Klemme. Im nächsten Jahr warten Refinanzierungsauflagen in Höhe von neun Milliarden Dollar. Diese könnte das Unternehmen mit Geldmitteln und bereits vorhandenen kurzfristigen Buchkrediten begleichen. Sollten die Rohstoffpreise jedoch weiter fallen - Aluminium sank im letzten Quartal um ein Drittel - wird es brenzlig.

Nach der Absage stehen beide Unternehmen vor unangenehmen Fragen. Doch Rio-Boss Tom Albanese sitzt auf dem heißeren Stuhl. Schließlich entging er nach der 38 Milliarden Dollar schweren Alcan-Übernahme nur dank der stellaren Aluminiumpreise und der Ablenkung durch das BHP-Angebot einer Abreibung. Nun sind beide Puffer Vergangenheit. Einzig dadurch, dass sein Rivale nun in der Klemme sitzt, scheint BHP als Sieger vom Feld zu gehen.

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