Rohstoffkonzerne
Rio Tinto: Erleichterung bei Albanese

Nach sechs turbulenten Monaten scheint die Position des Minenchefs – auf dessen Kappe die unglücklichen Verhandlungen mit den Chinesen gingen – wieder sicher. Rio hat Schulden abgebaut und erfüllt die im operativen Geschäft gesteckten Ziele. Aber Albanese muss noch daran arbeiten, die Altlasten seiner vergangenen Fehler abzubauen.
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Rio Tintos Tom Albanese - auf dessen Kappe die unglücklichen Verhandlungen mit den Chinesen gingen - hat überlebt. Nach sechs turbulenten Monaten, so scheint es, ist seine Führungsposition in der anglo-australischen Minengesellschaft wieder sicher. Rio hat seine Schulden reduziert und die Rohstoffpreise haben angezogen, sodass Investoren und Analysten ihre Messer inzwischen wieder eingesteckt haben.

Albanese hat seinen Kritikern reichlich Nahrung gegeben, seit er im Jahr 2007 das Ruder bei Rio übernahm. Zwei Monate nach seinem Antritt unterzeichnete Rio die Übernahme von Alcan für 38 Milliarden US-Dollar. Im Abwärtsstrudel der Krise erwies sich die Schuldenlast aus dem Deal dann als nicht mehr länger tragbar. Ein Jahr später als Rio händeringend nach einer Lösung suchte, erteilte Albanese den Avancen des Konkurrenten BHP Billiton dennoch eine klare Abfuhr.

Als Rios Liquiditätsquellen dann im Februar zu versiegen drohten, ging Albanese kurz entschlossen über die Vorkaufsrechte der Aktionäre hinweg, um ein umstrittenes Geschäft mit Chinalco einzugehen. Als die Märkte sich erholten, kam die Kehrtwende: jetzt favorisierte er eine Kapitalerhöhung um 15 Milliarden Dollar und ein Joint Venture mit BHP Billiton, die bei den Aktionären gut ankamen. Allerdings unterschätzte Rio die Folgen, die die so offensichtliche Brüskierung seines größten Aktionärs nach sich zogen. Kurz nachdem Chinalco den Laufpass erhielt, wurden vier Rio-Angestellte unter dem Verdacht der Bestechung verhaftet.

Ein Grund, warum Investoren dennoch gewillt scheinen, Albanese zu vergeben, liegt in der soliden Geschäftsentwicklung des Unternehmens. Trotz aller Irritationen gelang es Rio seine laufenden Kosten in der ersten Jahreshälfte um 800 Millionen Euro zu senken. Das Unternehmen ist auch auf dem richtigen Kurs bis 2010 wie geplant Kosten in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar einzusparen. Selbst die Bilanz sieht wieder deutlich besser aus, nachdem Rio inzwischen zwei Drittel der Schulden aus dem Alcan-Deal zurückzahlen konnte. So stehen in den nächsten zwei Jahren keine nennenswerten Schuldentilgungstermine mehr an.

Der neue Verwaltungsratschef Jan du Plessis hat Albanese öffentlich seiner Unterstützung versichert, sodass der sich nun endlich wieder dem Geschäft der Geschäftsführung widmen kann. Aber die Fehler des Rio-CEO werden nicht so schnell in Vergessenheit geraten und das chinesische Debakel könnte noch ein paar unangenehme Überraschungen bereithalten. Albanese hat zwar überlebt, aber Spielraum für weitere Fehler bleibt ihm nun nicht mehr.

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