Rollt die Wagen ostwärts
Aufkäufer liefern sich Wettrennen beim Neustart im Osten

Ausländische Privatkapitalgeber dürfen endlich chinesische Fonds für lokale Investoren auflegen. Zu den Vorteilen für Frühankömmlinge wie Blackstone gehören die Beteiligung an Projekten der Regierung und der Zugang zu den gewaltigen einheimischen Sparvermögen. Neue Investoren sind zudem gewillt, zweiprozentige jährliche Verwaltungsgebühren und zusätzlich 20 Prozent Gebühren auf die jährlichen Erträge zu zahlen.
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Privatkapitalgeber liefern sich ein Wettrennen um einen Neustart im Osten. Blackstone und First Eastern sind die ersten großen ausländischen Aufkäufer, denen erlaubt wurde, einen lokalen chinesischen Fonds aufzulegen, der sich aus chinesischem Geld speist. Für eine Branche, die in ihren traditionellen westlichen Märkten unter Druck geriet, könnte dies die Möglichkeit für einen Neubeginn sein.

Privates Beteiligungskapital ist in China schnell gewachsen. Im letzten Jahr investierten Fonds 13 Milliarden US-Dollar auf dem Festland, das ist fast zehn Mal so viel wie 2002. Allerdings konnten Ausländer bisher weitgehend nur außerhalb der chinesischen Grenzen aufgelegte Vehikel nutzen. In den wenigen Fällen, in denen Direktinvestitionen möglich waren, war eine Fremdfinanzierung tabu. Globale Firmen wie Blackstone, Carlyle und KKR sahen sich zudem wachsendem Wettbewerb durch einheimische Unternehmen ausgesetzt, für die Eigentumsbeschränkungen bei Banken und Fluggesellschaften nicht gelten und die Bewilligungen für Investitionen in sensiblen Bereichen wie Medien oder Infrastruktur leichter erhalten.

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als könne der Westen mit dem Osten durch lokale Gründungen verschmelzen. Blackstone und Nachfolger wären in der Lage, zu annähernd gleichen Bedingungen mit einheimischen Firmen zu konkurrieren. Die Finanzierung in Renminbi würde zusätzlich helfen. Ein einfacher Ausstieg für Investitionen in China ist der Gang an eine lokale Börse, was nicht sehr gut funktioniert, wenn die privaten Kapitalgeber in US-Dollar ausbezahlt werden wollen.

Auch wenn die Ausbreitung nach China für westliche Privatkapitalgeber attraktiv erscheint, werden ihre traditionellen Finanziers nicht ins Spiel kommen. Chinas Regulatoren wollen Anlageexpertise anlocken, aber einheimisches Kapital gibt es im Überfluss, sodass es wenig Anzeichen für eine Lockerung der Beschränkungen bei Auslandsinvestitionen gibt. Einige Fonds könnten Mittel aus dem Ausland nutzen, um sie gemeinsam mit Renminbi-Geldern zu investieren. So machen es einige chinesische Firmen wie Hony. Bei den meisten Anlagen wird die Trennung aber fortbestehen.

Die großen Aufkäufer haben noch einen Grund, offiziell in China anzutreten: Ausländische Anlagefirmen mit bekannten Namen haben dort Seltenheitswert. Investoren sind oft bereit, die bei Privatkapitalgebern übliche Verwaltungsgebühr von zwei Prozent plus einer Ertragsgebühr von 20 Prozent zu zahlen, was im Westen nicht mehr durchgängig zutrifft. Sogar einige ambitionierte Lokalregierungen wie die von Schanghai werden dafür zahlen, sich mit Namen wie Blackstone zu schmücken, wenn sie dadurch rivalisierende Regionen ausstechen können. Das sagen zumindest einige, die sich mit der Situation in China auskennen. Wenn das so bleibt, könnte es sich wirklich wie ein Neuanfang anfühlen.

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