Rote Zahlen und ein Aderlass
Medizin für die Märkte

Die US-Großbank Citigroup und ihr Schweizer Konkurrent UBS kündigen Mega-Abschreibungen an – und trotzdem klettert an der Wall Street der Dow Jones-Index auf ein Allzeithoch. Da stimmt doch etwas nicht, fragt sich der geneigte Beobachter. Doch dieses direkte Nebeneinander ist gar nicht so bizarr.
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Die US-Großbank Citigroup und ihr Schweizer Konkurrent UBS kündigen Mega-Abschreibungen an - und trotzdem klettert an der Wall Street der Dow Jones-Index auf ein Allzeithoch. Da stimmt doch etwas nicht, fragt sich der geneigte Beobachter. Doch dieses direkte Nebeneinander ist gar nicht so bizarr. Rote Zahlen und, im Fall der UBS, ein Aderlass sind gesund für die Märkte: Sie legen nahe, dass die großen Banken der Welt einen Schlussstrich unter die Kreditkrise ziehen.

Eine der großen Ängste im August war, dass eine Großbank oder ein Wertpapierhaus so stark verletzt worden sein könnte, dass es den Schlag nicht verkraftet. Und es ging die Befürchtung um, die Banken würden versuchen, ihre Ergebnisse zu frisieren, indem sie nicht das volle Ausmaß ihrer Engagements in US-Hypothekendarlehen mit zweitklassiger Bonität eingestehen oder indem sie ihre verkeilten Darlehen für kreditfinanzierte Fusionen und Übernahmen nicht in vollem Umfang angeben würden.

Es könnte zu weiteren Verlusten kommen, wenn die US-Wirtschaft abwärts taumelt. Aber es sieht tatsächlich so aus, als würden die großen Banken und Brokerhäuser ziemlich reinen Tisch machen. Der erste Schwung - angeführt von Goldman Sachs und Morgan Stanley - kam relativ ungeschoren davon. Das lag allerdings zumindest teilweise daran, dass das dritte Quartal bei ihnen per August-Ultimo geschlossen und damit den sagenhaft rentablen Monat Juni umfasst hat.

Der nächste Schub hat diesen Vorteil nicht. Und die Zahlen sind, im Fall von UBS und Citigroup, eindeutig hässlich. Aber sie sind nicht hässlich genug, um die Finanzkraft einer der beiden Banken ernsthaft zu beeinträchtigen. Das ist doch ein Grund zum Feiern.

Leitende Manager zu entlassen - wie UBS es getan und Citigroup es unterlassen hat - hat auch eine läuternde Wirkung. Einige Köpfe müssen einfach rollen, nach einer Manie, während der viele Banken, nun ja, ihren Kopf verloren haben. Wie hat es Voltaire in "Candide" ausgedrückt: Es ist gelegentlich notwendig einen Admiral umzubringen, "um die anderen zu ermutigen".

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