Royal Bank of Scotland
RBS für Rezession gerüstet

Der Staat sichert nicht nur die toxischen Vermögenswerte der Bank im massiven Umfang von 325 Mrd. britischen Pfund ab, sondern sorgt auch für eine Kapitalinfusion in Höhe von 13 Mrd. Pfund – alles zu einigermaßen günstigen Konditionen. Dann gelingt es den Schotten hoffentlich, einen Schlussstrich unter die Vergangenheit zu ziehen.

Die Rezessionsrüstung der Royal Bank of Scotland ist geschmiedet. Die britische Regierung wird über ihr Vermögenssicherungsmodell (asset protection scheme) höhere Garantien für die toxischen Aktiva der Bank übernehmen und bessere Konditionen anbieten als bisher erwartet. Zusätzlich wird sie der Bank frisches Kapital in Höhe von 13 Milliarden Pfund injizieren. Da ist es nicht überraschend, dass einige Bedingungen an das Paket geknüpft sind, darunter die Verpflichtung, 25 Milliarden Pfund Kredit an Häuslebauer und Unternehmen zu geben. Aber mithilfe der Kapitalmaßnahmen dürfte es der RBS gelingen, einen Schlussstrich unter die Vergangenheit zu ziehen.

Mit den staatlichen Garantien über 302 Milliarden Pfund kann RBS Kredite im Volumen von über 100 Milliarden Pfund mehr absichern als ursprünglich erwartet. Hinzu kommt, dass die Erstverluste, die die Bank tragen muss, nur 19,5 Milliarden Pfund ausmachen - oder 6 Prozent der abgesicherten Vermögenswerte. Als Citigroup und UBS ähnliche "Bad-Bank-Vereinbarungen" trafen, mussten sie noch einwilligen 10 Prozent der Erstverluste zu tragen. Die Kosten, die RBS für die Absicherung entstehen, liegen bei 6,5 Milliarden Pfund. Sie entsprechen damit einem extrem niedrigen Niveau von 2 Prozent des versicherten Vermögenswerts. Allerdings ist der Deal nicht ganz so gut, wie er auf den ersten Blick scheint, weil RBS auf Jahre hinaus das Recht verliert, die massiven Verluste steuermindernd geltend zu machen. Der Gegenwartswert dieses Verzichts wird in etwa bei 5 Milliarden Pfund liegen, wodurch die effektiven Kosten der Absicherung eher 4 Prozent des Versicherungswerts ausmachen dürften.

Die Kombination aus Absicherung und frischem Kapital lässt die Eigenkapitalquoten von RBS ansteigen. Durch die Garantien wird die Risikovorsorge in der Bilanz um 144 Milliarden Pfund verringert - das entspricht einem Viertel der Gesamtposition. Addiert man hierzu die 13 Milliarden Pfund an frischem Kapital, dann steigt die Tier-1-Kernquote von 7 auf 12,4 Prozent.

Nun könnte man denken, dass die Regierung hier über das Ziel hinausschießt. Allerdings wird die Tier-1-Quote nicht bei 12,4 Prozent bleiben. Zunächst einmal muss RBS 6 Milliarden Pfund Erstverluste tragen, die unmittelbar bilanzwirksam werden. Und die Kosten von 6,5 Milliarden müssen über 7 Jahre abgeschrieben werden. Zieht man diese beiden Faktoren mit ins Kalkül, dann ergibt sich eine pro forma Tier-1-Kernquote von 9,6 Prozent - das ist immer noch gesund, aber alles andere als lachhaft überkapitalisiert.

Für den Staat bedeuten die Maßnahmen eine höhere Beteiligung an RBS. Nicht nur, weil RBS staatliche Mittel aufnimmt, sondern auch weil die Versicherungsprämie in Form von Aktien bezahlt wird. Immerhin sind die neuen Aktien ohne Stimmrecht. Das heißt, obwohl der Staatsanteil auf 85 Prozent ansteigt, bleiben die Stimmrechtsanteile bei 70 Prozent. Die Fassade, dass es sich bei RBS um eine Privatbank handelt, bleibt damit aufrechterhalten.

Oberflächlich betrachtet hat RBS mit der Emission der stimmrechtslosen Aktien auch wirtschaftlich einen guten Deal gemacht. Ihr Wert wurde mit 50 Pence festgelegt, also mehr als doppelt so hoch wie der Kurs der Stammaktien am Mittwoch. Aber die stimmrechtslosen Aktien haben das Recht auf eine Vorzugsdividende - sie kann gut und gerne das Zweieinhalbfache der normalen Dividende erreichen. Das dürfte die Vorteile zumindest teilweise wieder aufwiegen.

Der RBS-Kurs konnte nach Ankündigung der Maßnahmen deutlich zulegen. Aber mit 30 Pence pro Aktie entspricht er immer noch kaum mehr als dem halben pro forma Buchwert. Weiteres Aufwärtspotenzial dürfte also vorhanden sein. Aber bevor die Aktie weiter steigt, muss die globale Konjunkturtalfahrt gestoppt werden und das neue Managementteam der Bank muss sein Versprechen einlösen, zurück zu den Wurzeln zu finden.

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