Rubel
Wie lange rollt der Rubel noch?

Die russische Währung ist in diesem Monat um vier Prozent gesunken, eine Kapitalflucht hat eingesetzt, die Aktienbörsen Russlands befinden sich im freien Fall und die Fremdwährungsreserven schmelzen dahin. Allerdings verfügt die Bank von Russland über rund 500 Mrd. Dollar, mit denen sie nach Gutdünken verfahren kann.

Erdöl und Erdgas machen mehr als 70 Prozent der russischen Exporte aus. Und Rohöl wird jetzt zu weniger als 70 Dollar je Barrel gehandelt - das ist die Schwelle, unterhalb derer die russische Regierung nicht mehr für einen ausgeglichenen Haushalt sorgen kann. Das Auslandskapital flieht. Die Regierung ist damit beschäftigt, die Unternehmen dabei zu unterstützen, ihre auf Dollar lautenden Schuldtitel zu refinanzieren, während sie gleichzeitig darauf hofft, einen Sturm auf die Banken und eine allgemeine finanzielle Kernschmelze abwenden zu können. Die Börse hat seit Anfang Juli bereits 70 Prozent an Wert eingebüßt. Kann sich der Rubel noch länger halten?

Es scheint sich um einen hoffnungslosen Fall zu handeln. Aber Devisenspekulanten, die mit dem Niedergang der russischen Währung schnelle Gewinne erzielen wollen, sollten sich genau überlegen, was sie tun. Sie sehen sich einer Gegnerin gegenüber, die immer noch äußerst gut in Form ist: der russischen Zentralbank. Die Notenbank sitzt auf Fremdwährungsreserven über mehr als 500 Mrd. Dollar. Und sie ist dazu entschlossen, dieses Geld einzusetzen, um eine umfassende Abwertung zu verhindern.

Nicht alle Reserven stehen für Währungsoperationen zur Verfügung. Die Regierung will aus diesem Topf 50 Mrd. Dollar dazu verwenden, um den größten Banken und Unternehmen des Landes dabei zu helfen, ihre Auslandsschulden zu refinanzieren. Ein Teil des Geldes wurde in zwei so genannte "Stabilisierungsfonds" gesteckt, die dazu eingesetzt werden könnten, um die Kurse auf den schwer angeschlagenen Aktienmärkten zu stützen. Doch selbst dann kann Alexei Kudrin, der russische Finanzminister, noch über eine Menge Geld verfügen, mit dem er dem Rubel unter die Arme greifen kann, der in diesem Monat gegenüber dem gemischten Dollar/Euro-Referenzwert, den die Bank von Russland einsetzt, um daran ihre Interventionen auszurichten, 4,5 Prozent verloren hat.

Bisher hat sich die Zentralbank recht gut darin bewährt, den Rubel mit Hilfe eines halbgebundenen Systems zu steuern, das einige Flexibilität gewährt. Das Ziel, letztendlich zu einem inflationszentrierten, freien Wechselkursmodell zu gelangen, liegt noch in einiger Ferne. Inmitten der derzeitigen Krise wäre es auch kein realistisches Ansinnen. Es wird ohnehin schwer zu erreichen sein, solange Russland übermäßig vom Rohöl abhängig bleibt.

Aber in der Zwischenzeit sollte die Bank sowohl über die Flexibilität als auch über die Reserven verfügen, die notwendig sind, um den Rubel zu steuern. Die Zentralbank mag letztendlich eine gewisse Abwertung und niedrigere Zinsen der entschlossenen Verteidigung des derzeitigen Wechselkurses vorziehen. Aber sie ist reich genug, um dies für sich selbst zu entscheiden.

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