Rückkehr in die Gewinnzone
Daimler wechselt auf die Überholspur

Seitdem sich Daimler von Chrysler getrennt hat, gibt der Stuttgarter Autobauer Gas. Die Kosten sind gesunken, der Absatz und die Gewinnspanne gestiegen. Die gute Verfassung der aufstrebenden Märkte scheint die Schwäche in den USA auszugleichen. Dagegen hat der Konkurrent BMW gerade erst den Weg zur Umstrukturierung eingeschlagen.

Daimler gibt Gas. Der Mercedes-Hersteller hat für 2007 einen Anstieg des Nettogewinns auf 1,7 Mrd. Euro ausgewiesen. Damit ist das Unternehmen triumphal in die Gewinnzone zurückgekehrt, nachdem im Vorjahr noch ein kleiner Verlust gemeldet worden war. Sich von der angeschlagenen Chrysler losgesagt zu haben, sieht wie ein cleverer Schritt aus, der es den Stuttgartern erlaubt, sich auf Autos der gehobenen Klasse zu konzentrieren, die hohe Gewinne abwerfen. Das Zusammenspiel von Stellenkürzungen - Mercedes hat seit 2005 rund 9 700 Arbeitsplätze in der Fertigung abgebaut, wodurch sich die Kosten um 7,1 Mrd. Euro reduziert haben – mit der Einführung populärer neuer Modelle, angeführt von der modernisierten C-Klasse, hat im vergangenen Jahr den Absatz des Unternehmens und die alles entscheidenden Gewinnmargen im Pkw-Geschäft auf beneidenswerte 9,1 Prozent vorangebracht.

Mercedes zieht an seinem alten Konkurrenten BMW vorbei. Die Münchener starten gerade erst mit ihrem eigenen Kostensenkungsprogramm und ihre Gewinnmargen liegen bei nur knapp über sechs Prozent. Zum Vergleich: Autobauer, die, wie etwa Renault, die breite Masse bedienen, verbuchen Gewinnspannen von unter vier Prozent. BMW wird ihre Unternehmensergebnisse erst im März vorlegen, aber im ersten Monat des Jahres ist der Absatz um 1,6 Prozent zurückgegangen, während Mercedes um 16 Prozent zulegte. BMW ist außerdem dem sich abschwächenden US-Markt stärker ausgesetzt als Mercedes: rund ein Viertel des Absatzes von BMW entfallen auf die USA, bei Mercedes weniger als ein Fünftel.

Sicher, Daimler hat auch noch Hindernisse zu umfahren. Wie BMW muss die Firma noch heftig investieren, um ihre großen, die Umwelt stark belastenden Autos so sauber zu kriegen, dass sie die bevorstehenden neuen Emissionsstandards der EU erfüllen. Aber anders als BMW wird Daimler von einer angeschlagenen Lkw-Sparte belastet, die 2007 in Nordamerika einen Rückgang um 40 Prozent beim Absatz von Schwerlastern zu verkraften hatte.

Aber diese Schwierigkeiten sehen beherrschbar aus. Der Absatz von Daimler-Lkw in Brasilien, Russland, Indien und China hat sich im vergangenen Jahr um 29 Prozent erhöht und damit die Einbußen in den USA fast ausgeglichen. Bei Pkw profitiert Mercedes von einem ähnlichen Nachfragezuwachs in den aufstrebenden Ländern. Selbst wenn die USA in eine Rezession abrutschen, bleibt Daimler optimistisch, dass – wie nach dem Platzen der spekulativen Internetblase – der Absatz von Luxuswagen dem Abschwung besser standhält als die Marken für die breite Masse. Die Stuttgarter gehen davon aus, dass sich der globale Absatz von Mercedes in diesem Jahr erhöht.

Der Ausblick von Daimler für die kommenden Jahre ist von Vorsicht geprägt. Wenn der Markt nicht zusammenbricht, ist eine Anhebung der Gewinnspannen auf zehn Prozent im Bereich des Möglichen – ein Jahr früher als geplant. Die Daimler-Aktien sind wieder auf das Niveau zurückgekehrt, auf dem sie vor dem Verkauf von Chrysler gehandelt worden waren. Nach Angaben von Reuters wechseln sie zu mehr als dem Neunfachen des für 2008 erwarteten Gewinns je Aktie den Besitzer. BMW-Titel liegen bei etwa dem 8,5fachen. Aber es sieht ganz so aus, als sei Daimler bereit, einen Gang höher zu schalten.

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