Rückzug der Banker
Das Leben beginnt mit 40

Es gibt Banker, die sich jung aus dem Berufsleben zurückziehen. Sicher müssen sie dabei erst einige Hürden überwinden – etwa wie sie an all diesen Aktienoptionen festhalten können. Allerdings sieht ein Rückzug für diejenigen, die ihre Schäfchen schon im Trockenen haben, immer verlockender aus – auf jeden Fall besser als die anhaltenden Qualen der Wall Street auszuhalten.

Die Ehefrauen so manches Bankers werden bald weniger bekommen als sie erwartet hatten. Führende Finanziers verlassen das Wall-Street-Schiff immer früher in ihrem Berufsleben. Der Leiter der Mediengruppe von Goldman Sachs, Matt L?Heureux, verabschiedet sich im zarten Alter von 45 Jahren aus dem Investment Banking. Desgleichen der Leiter der Mediengruppe von JP Morgan.

Andere, die zu gehen gedenken, warten vielleicht noch ab, bis die Bonuszahlungen auf ihren Konten verbucht sind. Das ergibt Sinn. Für einige Banker mit den Taschen voller Geld ist ein früher Abschied vermutlich verlockender als die Aussicht, die fortgesetzten Qualen der Wall Street aushalten zu müssen. Ihre Frauen aber werden sich an den Gedanken gewöhnen müssen, wie man so schön sagt, den doppelten Ehemann bei halbem Einkommen zu bekommen.

Die Investment Banking-Branche dürfte in den kommenden Jahren einen steinigen Weg vor sich haben. Die Kapitalmärkte sind zum Trümmerfeld geworden und das Geschäft mit Fusionen liegt weitgehend brach. In einem solchen Umfeld Kunden aufzugabeln, macht Leuten, die aufs Geschäftemachen wie versessen sind, keinen großen Spaß - und es ist natürlich auch nicht so lukrativ.

Kein schlechter Zeitpunkt also, um die geliebten Hosenträger an den Nagel zu hängen. In früheren Wall Street-Flauten haben sich diejenigen, die ihre Schäfchen schon im Trockenen hatten, scharenweise auf den Weg gemacht, um Theologie zu studieren, um im Mittelmeer herumzusegeln oder sie sind ihren altruistischen Neigungen gefolgt und haben Häuser in Guatemala gebaut.

Natürlich müssen auf dem Weg in die Freiheit auch ein paar Hürden überwunden werden, wie etwa, an all den Aktienoptionen festzuhalten. Finanziers, die seit zwei Jahrzehnten geschuftet haben, haben davon wahrscheinlich einen netten kleinen Berg angehäuft. Die Banken müssen Optionen, deren Anwartschaften nicht unverfallbar sind, nicht notwendigerweise auszahlen, obwohl sie vermutlich bereit sind, einen Kompromiss einzugehen.

Und die Familien der Ernährer haben vielleicht auch ihre ganz eigene Meinung zu den möglichen Veränderungen ihres Lebensstandards. Und wenn ein unter Hochspannung stehender, zupackender ehemaliger Geschäftemacher plötzlich den ganzen Tag zuhause ist, kann es in manchen Fällen auch zu häuslichen Verstimmungen kommen. Für einige Frühpensionäre aber werden sich diese Spannungsfelder abschwächen, wenn sie sie mit dem Ungemach vergleichen, während eines Abschwungs in der Wall Street arbeiten zu müssen.

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