Rusal/Deripaska
Umwandlung von Eigenkapital in Schulden

Der weltgrößte Aluminiumproduzent muss sich mit seinen westlichen Kreditgebern einigen, bevor er zum Jahresende den entscheidenden Börsengang in Hongkong und Paris in Angriff nehmen kann. Schlagen die Verhandlungen fehl, könnte Eigentümer Oleg Deripaska gezwungen sein, Minderheitsinvestoren auszuzahlen – das aber kann sich der Tycoon nicht leisten.
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Die Vorbereitung eines Börsengangs für ein Unternehmen, das gleichzeitig Schulden in Höhe seines zehnfachen Ergebnisses (EBITDA) umstrukturieren muss, dürfte auch den gewieftesten Finanziers schlaflose Nächte bereiten. Rusal, der weltgrößte Aluminiumproduzent, vollführt zurzeit einen Drahtseilakt. Das Unternehmen muss sich mit westlichen Kreditgebern über die Finanzierung seines Schuldenbergs von 7,4 Milliarden Dollar einigen, bevor es wie geplant in Hongkong an die Börse gehen kann. Das russische Unternehmen ist das Juwel in Oleg Deripaskas Imperium und der hoch verschuldete Tycoon muss noch einiges dafür tun, dass Rusals Pläne, zum Jahresende 2 bis 3 Milliarden Dollar an der Börse aufzunehmen, in Erfüllung gehen können.

Die Verhandlungsführer der westlichen Kreditgeber haben großes Interesse daran, dass der geplante Börsengang vorankommt. Schließlich wird einer der größten Rusal-Gläubiger, BNP Paribas, auch gemeinsam mit Credit Suisse Konsortialführer der Neuemission sein. Und aus dem Sekundärlisting in Paris werden weitere Provisionen fließen.

Die Westbanken wollen aber auch abwarten, bis Rusal die Beziehungen zu seinen russischen Geldgebern geordnet hat, die dem Unternehmen weitere 9,4 Milliarden Dollar zur Verfügung stellten. Zu ihnen gehört die russische Vnesheconombank, die Rusal zur Hilfe eilte, als Nachschussforderungen auf einen 25-prozentigen Anteil am Nickelproduzenten Norilsk zu erfüllen waren. Die staatliche Bank erklärte sich kürzlich bereit, sein 4,5-Milliarden-Euro-Darlehen an Rusal um ein weiteres Jahr zu verlängern. Auch mit Mikhail Prokhorov, dem Oligarchen, der Rusal den Norilsk-Anteil im April 2008 zu einem Spitzenpreis verkaufte, konnte sich der Konzern über die noch offenen 2,9 Milliarden Dollar einigen. Der neue Vertrag sieht vor, dass Prokhorovs verbleibender Anteil an Norilsk von 14 auf 19 Prozent steigt.

Aber Rusal muss sich mit seinen Gläubigern aus dem Westen schnell einigen. Wenn das Unternehmen seine Chance auf ein Hongkong-Listing noch vor dem Jahresende wahren will, muss es den dortigen Aufsichtsbehörden bis zum 19. November eine neu geordnete Bilanz vorlegen. Gelingt das nicht, muss sich Deripaska auf eine noch härtere Auseinandersetzung mit den Minderheitsaktionären von Rusal gefasst machen. Anfang 2007, bei der Entstehung von Rusal aus einer dreigliedrigen Fusion, hatte Deripaska ihnen einen Börsengang bis Ende 2009 versprochen. Zwei der Beteiligten, Sual, das sich im Besitz von zwei russischen Geschäftsmännern befindet, und Glencore, das Schweizer Metallhandelsunternehmen, könnten von Deripaska ihre Auszahlung einfordern. Das aber kann der sich nicht leisten. Es könnte also sein, dass die russische Regierung ihm erneut unter die Arme greifen muss. Für Deripaska sind die Wahlmöglichkeiten klar: entweder ein Börsengang oder der Kreml.

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