Kolumnen
Russisch-italienische Witze

Das Treffen des neuen italienischen Premierministers mit dem neuen russischen Premier unterstrich ihre langwährende Männerfreundschaft. Ein schlechter Witz durfte da nicht fehlen. So sollte etwa ein Journalist erschossen werden, der eine indiskrete Frage gestellt hatte. Wie erwartet, droht Berlusconis Russland freundliche Diplomatie ihn von europäischen Verpflichtungen zu entfernen.

Die beiden Kumpels haben keine Zeit für ein Wiedersehen verloren. Nur ein paar Tage nachdem seine Partei einen durchschlagenden Erfolg in den Parlamentswahlen verzeichnen konnten, empfing Silvio Berlusconi seinen guten alten Freund Vladimir Putin in seinem Haus auf Sardinien. Als ob er zeigen wollte, dass all diejenigen in Europa, die sich über seinen Geschmack für gemütliche russische Beziehungen sorgen, grundsätzlich recht haben.

Dank eines russischen Reporters, der Putin nach seiner angeblichen Affäre mit einer Turnerin und der darauf folgenden Scheidung fragte, wird dieses Treffen wohl hauptsächlich wegen seines Klatschcharakters in Erinnerung bleiben. Allerdings nutzten die beiden die Gelegenheit, zu zeigen, wer da wirklich vor den Kameras steht. Berlusconi machte eine pistolenartige Geste gegenüber dem Reporter. Außerdem sagte er, er wäre froh, das italienische Zeitungswesen gegen das russische einzutauschen. In der Vergangenheit hatte Berlusconi gesagt, ohne Zeitungen wäre er besser gestellt. All dies waren Witze, sagte sein Sprecher eilig. Aber wenn Journalisten, die dem Kremel begegnen, am Ende tot sein können, dann sind dies sehr schlechte Witze.

Putin verneinte ärgerlich die Affäre und schimpfte über die Medien und ihre "erotischen Fantasien", auch dies keine Überraschung. Dies von einem Mann, der bekannt für schlechte Witze ist. Die etwas leichtsinnige Moskauer Zeitung, die als erste diese Behauptung aufstellte, wurde bis auf weiteres eingestellt. Überrascht hat uns das nicht!

Es war eigentlich keine Substanz vorhanden bei dem Treffen auf Sardinien – und das wenige was war, war beunruhigend. Berlusconi sagte, er wolle die Energiekooperation mit Russland "vertiefen" – aber Italien ist schon eines der Russland zugeneigtesten und von Russland abhängigsten Länder in Europa. So wird die "Vertiefung" a la Berlusconi es für die EU nur noch schwerer machen, eine stimmige Energiepolitik zu verfolgen. Zu einem anderen Thema – dem Schicksal von Alitalia – zeigte Berlusconi wie weit er den populistischen Weg gehen würde, als er sagte, dass die russische Aeroflot der Retter der fast bankrotten italienischen Fluglinie sein könnte. Das hört sich fast wie ein Witz an, aber wenn zynische Witze an der Tagesordnung sind, dann ist nichts unmöglich. Wirtschaftliche Rationalität steht selten im Weg von Abschlüssen, die als Austausch von Gefälligkeiten gedacht sind.

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