Russische Banken
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Als die russische Zentralbank letzte Woche den schnell kollabierenden Märkten Liquidität injizierte, wählte sie eine sonderbare Methode. Haushaltsmittel wurden in die drei größten und staatseigenen Banken des Landes geleitet, die Sberbank, VTB und die Gazprombank. Die Hoffnung war, dass das Geld zum Rest des Finanzsystems durchsickert.

Über das letzte Wochenende weitete die russische Zentralbank ihre Maßnahme zwar auf 25 andere Banken aus, doch die ursprünglich kurze Liste der Währungshüter unterstreicht die Schwäche eines atomisierten, undurchsichtigen und schwach regulierten Bankensystems, in dem Vertrauen ein seltenes Gut ist.

Zumindest könnte die jüngste Krise als Chance genutzt werden, um größere Reformen anzugehen. Wenn dies unterbleibt, würde der Bankrott einiger mittelgroßer Finanzinstitutionen die Erinnerung an 1998 wachrufen, als Russland Zahlungen auf seine Auslandsschulden aussetzte, westliche Investoren das Weite suchten und Firmenpleiten und viele Jahre tiefen Misstrauens gegenüber dem Bankensystem die Folgen waren.

Russland hat seitdem aufgeholt, vielleicht sogar etwas zu viel, denn das Land braucht wohl kaum 900 Banken. Im August stelle die Zentralbank 200 Finanzinstitutionen des Landes unter eine strenge Kontrolle und bestellte spezielle Aufseher, die dafür zuständig sind, fragwürdige Praktiken zu untersuchen.

Der einheimische Kreditmarkt hat nie richtig funktioniert. Trotz russischer Fremdwährungsreserven von 540 Milliarden US-Dollar verließen sich inländische Schuldner meistens auf Kapitalzufuhr aus dem Ausland. Daher trocknete der Interbankenmarkt aus, als die Liquiditätsklemme westliche Banken traf. Einige Banken wurden zerbrechlicher durch in den letzten Monaten ausgeweitete Kredite an russische Unternehmen, die ihre geplanten Börsengänge in London absagen mussten. Diese Kredite werden nicht mehr wie gute Ideen aussehen, wenn die Preise von Öl und anderen Rohstoffen weiter sinken.

Sicher kann das Schlimmste noch verhindert werden. Die großen Drei sind zuverlässige Marktteilnehmer geworden. Ausländer besitzen mehr als ein Viertel des Kapitals im Bankensystem, darunter große Anteile von börsennotierten, staatlich kontrollierten Banken wie der Sberbank und VTB. Der Privatbankenmarkt wächst trotz der schmerzhaften Erinnerung an 1998 noch immer mit großer Geschwindigkeit, obwohl seine Perspektiven langfristig durch den demographischen Niedergang des Landes beschränkt sind.

Der Rest der Bankenbranche jedoch, vor allem in den entlegenen Regionen, sieht noch immer zu sehr ein wildes Land aus. Als das Paradox in Russlands befehlsgeleiteter Wirtschaft erscheint der Umstand, dass die Zentralbank trotzdem nicht stark genug ist. Sie sollte durchsetzungsfähiger werden. Der Markt ist reif für eine große Konsolidierungsrunde. Wenn die Zentralbank nicht als Erste von oben herab handelt, wird sie ziemlich sicher von unten durch eine Reihe von fatalen Ereignissen herausgefordert werden.

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