Russische Banken
Wolken am Horizont

Als das russische Bankensystem 1998 nahezu kollabierte, bestand das Hauptproblem darin, dass das Land seine Auslandsschulden nicht bedienen konnte. Inzwischen ist Russland im internationalen Vergleich stark. Das Bankensystem steckt dennoch in der Krise.

Als das russische Bankensystem 1998 nahezu kollabierte, bestand das Hauptproblem darin, dass das Land seine Auslandsschulden nicht bedienen konnte. Inzwischen ist Russland im internationalen Vergleich stark. Die Währungsreserven liegen bei 425 Milliarden Dollar und der Leistungsbilanzüberschuss erreichte im Jahr 2006 mit 105 Millarden Dollar die atemberaubende Höhe von 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das Bankensystem steckt dennoch in der Krise.

Die russischen Banken leiden unter dem internationalen Liquiditätsengpass. Ausländische Kapitalgeber haben sich vom Markt für kurzfristige Kredite zurückgezogen und in Russland für Kapitalknappheit gesorgt. Gleichzeitig haben eine Reihe von großen Unternehmen ihre geplanten Aktienemissionen zurückgezogen und damit die Nachfrage nach Bankkrediten weiter erhöht.

Die Banken wandten sich daraufhin hilfesuchend an die Zentralbank. Die reagierte mit Liquiditätsspritzen - Schätzungen zufolge wird das Gesamtvolumen für Ende Oktober und November 12 bis 15 Milliarden Dollar erreichen. Auch die Reserveverpflichtungen fuhr die Zentralbank um einen Prozentpunkt zurück und gewährte der staatlich kontrollierten VTB ein Darlehen über 6,9 Milliarden Rubel (276 Millionen Dollar), das durch Unternehmensanleihen besichert wird.

Diese Anstrengungen sollten ausreichen, um alle Banken über Wasser zu halten, allerdings geben die Liquiditätsinjektionen der inländischen Inflation neue Nahrung. Das offizielle Inflationsziel von 6,5 bis 8 Prozent wird nach heutigem Stand mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit überschritten werden. Nach Goldman Sachs sind bis zum Jahresende zweistellige Inflationsraten möglich. Auf diesem Inflationsniveau sind die 7,5 Prozent, die VTB für das Feuerwehrdarlehen zu zahlen hat, so gut wie geschenkt.

Die Regierung könnte versucht sein, den Rubel aufzuwerten, um die Importpreise - die Hauptquelle der Inflation - zu senken. Aber der damit verbundene Rückgang der Rubel-Exporteinnahmen würde den Druck auf die Banken nur weiter erhöhen.

Weder Bankenprobleme noch Inflation werden die Chancen von Präsident Vladimir Putin verringern, die Wahl im März 2008 zu kontrollieren. Er könnte allerdings anschließend in Schwierigkeiten geraten. Es gibt Gründe anzunehmen, dass die Banken in hohem Maße Kreditrisiken angehäuft haben, weil sie Kapital an staatliche, durch den Oligarchen kontrollierte Unternehmen verliehen haben, die vom unerwarteten Ölpreisanstieg profitiert haben. Wenn der Rubelpreis für Öl nicht weiter steigt, könnten viele dieser Kredit notleidend werden.

Russlands Reichtum könnte die Probleme eine Weile fernhalten, allerdings zum Preis einer sprunghaft ansteigenden Inflation und größere langfristige Anpassungsschwierigkeiten. Russland ist reich, aber noch nicht gesund.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%