Russisches Gas
EU sollte Putins Ruf nach Hilfe für die Ukraine beachten

Tyrannen müssen nicht immer falsch liegen. Wladimir Putin hat im Prinzip nicht ganz Unrecht, wenn er die Europäische Union darum bittet, hilfsbereit zu sein, wenn die Ukraine im Winter wieder nicht ihr Erdgas bezahlen kann. Der russische Ministerpräsident weiß aber auch, dass er die Probleme anheizt, wenn er das Heraufziehen einer neuen Krise an die Wand malt.
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In seiner typischen, ungeschminkten Sprache forderte Putin, die EU solle der Ukraine „eine frische Milliarde zustecken“, falls das Land erneut seine Gasimporte aus Russland nicht bezahlen kann. Recht hat er mit der Ansicht, die Europäische Union habe als Friedensstifter im andauernden Gasstreit versagt, obwohl sie unbeabsichtigt zum Leidtragenden wird, wenn Russland, wie im letzten Winter geschehen, seine Gaslieferungen an die Ukraine einstellt. Weil 80 Prozent der für Europa bestimmten russischen Erdgaslieferungen durch ukrainische Leitungen fließen, ist die EU faktisch eine Geisel in jedem Streit zwischen Russland und seinem früheren Satellitenstaat.

Die EU könnte und sollte mit mehr Durchsetzungsvermögen agieren, um sicherzustellen, dass die Ukraine im Fall einer Krise keine russischen Gaslieferungen für eigene Zwecke abzweigt. Sie hat dabei versagt, politischen Druck oder finanzielle Verhandlungen zu nutzen, um die Ukraine zu einer radikalen Reform ihrer Gasindustrie zu zwingen. Es heißt, dass Erdgas für die Ukraine das ist, was Kokain für Kolumbien ist, nämlich eine große Quelle der Korruption seiner politischen und wirtschaftlichen Eliten. Diese Situation hat sich in den letzten Jahren noch verschlimmert.

Das aber ist nicht Putins Sorge. Derzeit gibt es keine konkreten Anzeichen dafür, dass die Ukraine in den kommenden Monaten ihren Verpflichtungen nicht nachkommen wird. Vielmehr mischt sich der russische Ministerpräsident mit seinen Äußerungen in die ukrainische Politik ein. Er deutet an, dass der amtierende Präsident Wiktor Juschtschenko eine Krise erzeugen will, dass die gegen ihn im Januar bei der Präsidentschaftswahl antretende Ministerpräsidentin Julia Timoschenko aber jemand ist, mit dem man Geschäfte machen kann. Sehr subtil ist das nicht, aber es sollte die EU nicht davon abhalten, durch Druck auf die Ukraine ihre Rolle überzeugender zu spielen - und Hilfe anzubieten.

Kommentare zu " Russisches Gas: EU sollte Putins Ruf nach Hilfe für die Ukraine beachten"

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  • @ Tom (1)

    Wo Sie recht haben, haben Sie recht, nur steht ihrer und meiner Vorstellung von Energieversorgung eine kleine Gruppe sehr lauter Umweltvereine entgegen, deren Protagonisten zu einem nicht unerheblichen Teil der aus der Abhängigkeit entstehenden Versorgungslücke ein tolles Geschäft entwickelt haben. Sie nennen es Erneuerbare Energie und haben sich dazu entsprechende Gesetze geschaffen, mit denen sie ihr Einkommen und ihren Einfluß sichern.
    Herr Putin zeigt auf die EU und kommt natürlich nicht auf die idee darüber nachzudenken, wer die Ursache für die Zustände in der Ukraine ist, er würde sehr schnell im Kreml ankommen.

  • eine kalte heizung mit vorankündigung also !ich bin auch der meinung das wir diesen wirklich nett gemeinten hinweis putins nich ignorieren sollten !!!und natürlich konsequenzen ziehen müssen !wir können uns diese gaßkäufe aus politisch unsicheren ländern nicht länger leisten ! wir brauchen eine eigene,vom ausland unabhängige energieversorgung.eine versorgung ,die leistungsfähig und zuverlässig ist , die auch die industrie in deutschland eine wirtschaftliche arbeit ermöglicht.dazu eignet sich meiner meinung nach nur kohle und kernenergie, die es schnellstens auszubauen gild.

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