Ryanair
Sturzflug

Der Billigflieger ist zu schnell gewachsen. Schwächt sich das Wirtschaftswachstum ab, besteht die einzige Möglichkeit die Flugzeuge zu füllen darin, die Flugpreise zu senken. Darunter leidet das Ergebnis. Zum Glück hält das Unternehmen die Kosten unter strenger Kontrolle und die Bilanz ist gesund. Damit dürfte es gelingen, die Krise abzuwettern.

Wie doch die Starken und Mächtigen fallen. Ryanair, eine der stärksten und profitabelsten europäischen Fluggesellschaften, musste im ersten Quartal einen Gewinneinbruch um 85 Prozent hinnehmen. Für das Gesamtjahr schließe man auch einen Nettoverlust - den ersten in der Firmengeschichte seit dem Börsengang im Jahr 1997 - von bis zu 60 Millionen Euro nicht aus, hieß es aus dem Unternehmen. Analysten gingen noch von einem positiven Nettoergebnis in Höhe von 160 Millionen Euro in diesem Jahr aus. Der irische Sparflieger sieht die Ursache der negativen Entwicklung in den astronomischen Treibstoffkosten und den sinkenden Flugpreisen. Aber Ryanair muss sich auch einen Teil der Schuld für die schockierende Gewinnwarnung selbst zuschreiben. Die Aktien des Unternehmens fielen um fast 15 Prozent auf 2,75 Euro im Londoner Mittagshandel.

Um der Gerechtigkeit Genüge zu tun: explodierende Spritkosten und sinkende Flugpreise betreffen die gesamte Branche - obwohl Ryanair kalt erwischt wurde, nachdem die Firmenleitung beschloss, auf eine Absicherung der Treibstoffpreise zu verzichten. Die Annahme, die Preise würden schon bald wieder sinken, erwies sich als verfrüht. Aber die Airline will in diesem Jahr nach wie vor die Sitzplatzkapazitäten um erstaunliche 14 Prozent ausweiten. Andere Linien schrauben ihre Kapazitäten wohlweislich zurück. Obwohl Ryanair mit viel Trara angekündigt hat, im Verlauf des kommenden Winters eine Reihe von Flugzeugen von den Flughäfen Stansted und Dublin abzuziehen, laufen Bestellungen über 70 neue Boeing 737, von denen 32 noch in diesem Jahr ausgeliefert werden sollen.

Schwächt sich das Wirtschaftswachstum ab, besteht die einzige Möglichkeit die Flugzeuge zu füllen darin, die Flugpreise zu senken.

Die Durchschnittspreise sind im vergangenen Quartal bereits um 8 Prozent gefallen. Ryanair wird wohl heftige Nachlässe gewähren müssen, um Passagiere für Flüge zu so abgelegenen Orten wie Beauvais in Frankreich oder Treviso in Italien zu finden. Aber mit der unternehmenstypischen Frechheit hat Ryanair genau das angekündigt. Der Plan zielt darauf ab, Marktanteile von Konkurrenten zu gewinnen, die dem Wettbewerb nicht länger standhalten können. Michael O?Leary, Ryanairs lautstarker Chef, muss allerdings noch überzeugende Argumente liefern, warum es ausgerechnet jetzt sinnvoll sein soll, zusätzliche Flugzeuge an den Start gehen zu lassen.

Immerhin gelang es Ryanair bei den Nicht-Treibstoffkosten einzusparen. Sie sanken um 6 Prozent. Auch die Bilanz ist mit Barmitteln von rund 300 Millionen Euro gesund. Das Bild kann sich aber schnell verschlechtern. Die Fluglinie verweist jedoch darauf, dass die Probleme der Konkurrenz viel stärker zu schaffen machen. Das Mantra klingt bekannt und traf in der Vergangenheit meist auch zu. Aber die immer noch hohen Ölpreise und vorsichtigere Fluggäste dürften auch Ryanair das Leben schwermachen.

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