Sachleistungen
Unternehmen: Suchen Sie sich etwas aus!

Knapp bei Kasse? Bieten Sie Ihren Mitarbeitern doch an, sich aus dem Lager zu bedienen. Das klingt vielleicht hart, aber im Grunde macht Chrysler genau das, wenn der Autobauer in die Entlassungsabfindungen Autogutscheine über 25 000 Dollar packt. Auf diesem Weg wurden überschüssige Lagerbestände noch nie abgebaut.

Auch Ihr Unternehmen hat mit der Liquidität zu kämpfen? Die Rechnungen stapeln sich, der Umsatz fällt, die Kunden kaufen Ihre Produkte nicht mehr und Sie müssen einen Weg finden, um ihr Mitarbeiter zu bezahlen - oder schlimmer noch, Sie müssen deren Entlassungsabfindung finanzieren? Es gibt eine - wenn auch drakonische - Möglichkeit, auf die immer mehr Unternehmen zurückgreifen: Bieten Sie ihnen doch ein bisschen was aus Ihren überschüssigen Lagerbeständen an.

Die Zahlung in Form von Sachleistungen ist an sich nichts Neues, auch wenn in der Vergangenheit dabei vielleicht keine großen Mengen den Besitzer wechselten - vielmehr gerade einmal der Vorrat an Brot und Lebensmitteln, der dem jungen Vito Corleone im „Paten“ über die nächsten Tage hinweghalf. Doch heute verfügen die Unternehmen oft über Waren, die nicht so leicht verderblich sind.

Nehmen wir zum Beispiel Chrysler. Der schwer angeschlagene Autobauer bietet angeblich Gutscheine über 25 000 Dollar zum Kauf eines seiner Fahrzeuge an, wenn die Mitarbeiter sein jüngstes Abfindungspaket akzeptieren. Das könnte eine clevere Art und Weise sein, die sich bis zum Horizont ziehenden Halden an unerwünschten Autos abzubauen, die Chrysler im vergangenen Monat dazu gezwungen hatten, im Grunde die Produktion einzustellen.

Auch die Idee, die Credit Suisse in ihre letzte Bonusrunde eingebracht hat, ist davon nicht allzu weit entfernt. Die Schweizer Bank emittierte Boni für ihre führenden Mitarbeiter, die auf Wertpapiere lauten, die von in der Bilanz lauernden wackeligen Immobilienvermögenswerten und Übernahmefinanzierungen über mehrere Milliarden Dollar gestützt werden. Wie die Arbeiter bei Chrysler werden auch die Schweizer Bankangestellten mit ihren eigenen Produkten entlohnt.

Es mag hart klingen, wenn man sich auf diese Weise überflüssiger Waren entledigt. Die Banker der Credit Suisse sehen vielleicht auf Jahre hinaus kein Geld. Der Chrysler-Gutschein löst in etwa den Betrag an Bargeld ab, der denen in die Hand gedrückt worden war, die im vergangenen Jahr freiwillig ihren Arbeitsplatz geräumt hatten - aber Autos verlieren gewöhnlich stark an Wert, sobald man erst einmal den Zündschlüssel gedreht hat.

Darüber hinaus ist eine Zahlung in Form von Sachleistungen nicht für alle Firmen so leicht umzusetzen. Boeing dürfte seinen Mitarbeitern wohl kaum ein Teilnutzungsrecht an seinen Jumbo-Jets einräumen. Mitarbeiter, die von Kraft vor die Tür gesetzt wurden, können nicht allein von Käse leben. Mit kostenlosem Kaffee von Starbucks lässt sich keine einzige Rechnung zahlen - auch wenn ein bequemes Sofa aus den Niederlassungen, die die Kaffee-Kette schließt, so manchem Angestellten als Schlafstätte dienen könnte. Und von Wells Fargo ist kaum zu erwarten, dass ihren Kundenbetreuern zwangsversteigerte Häuser mit auf den Heimweg gibt.

Aber während die Zeiten immer schlechter werden, sieht eine Portion von dem, was man selbst zusammengerührt hat, doch appetitlicher aus als gar nichts. Und dann besteht ja immer noch die Möglichkeit, dass jemand tauschen will. Der Naturallohn mag ein Zeichen extremen wirtschaftlichen Stresses sein - aber anders als während der Großen Depression gibt es heute ja Ebay und Craigslist.

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