Sallie Mae
Komplett verspekuliert

Man kann schon verstehen, warum dem Chef von Sallie Mae in der vergangenen Woche in aller Öffentlichkeit der Kragen geplatzt ist. Eine Einschussforderung hat den Finanzierer von Studentendarlehen dazu gezwungen, Millionen von Aktien mit Verlust zu verkaufen. Weit schwerer zu verstehen ist allerdings, warum das Unternehmen sich einem anderen verheerenden Spiel ausgesetzt hat. Jetzt muss Sallie Mae Aktien im Wert von 905 Mill. Dollar für zwei Mrd. Dollar zurückkaufen.

Man kann schon verstehen, warum Albert Lord, dem CEO von Sallie Mae, in der vergangenen Woche bei einer Telefonkonferenz der Kragen geplatzt ist. Nachdem die vereinbarte Übernahme durch JC Flowers gescheitert war, sind die Aktien des Finanzierers von Studentendarlehen ins Bodenlose gefallen.

Unglücklicherweise hatte Lord alles und noch ein bisschen mehr auf den Erfolg des Deals gesetzt. Er musste nach einer Einschussforderung fast 1,3 Mill. Aktien oder rund 97 Prozent seines persönlichen Anteils an der Gesellschaft verkaufen. Weit schwerer zu verstehen ist, warum sich die Firma auf ein anderes katastrophales Spiel eingelassen hat.

Sallie Mae hatte Optionskontrakte abgeschlossen, um mehr als 48 Mill. Aktien zu einem Durchschnittskurs von 51,86 Dollar zurückzukaufen. Hätte die Übernahme funktioniert, oder wären die Aktien des Unternehmens aus anderen Gründen über 51,86 Dollar gestiegen, hätte sich die Wette ausgezahlt. Sallie Mae hätte die Aktien zu unter dem Marktniveau liegenden Kursen ablösen können. Tatsächlich hatte das Unternehmen mit ähnlichen Spielchen in der Vergangenheit Erfolg gehabt. Aber die Derivate beinhalteten eine beunruhigende Vorbehaltsklausel, besonders wenn man bedenkt, dass die Übernahme eines Finanzkonzerns an sich schon knifflig ist: Wenn die Aktien von Sallie Mae unter 23,93 Dollar je Aktie fielen, müsste die Gruppe sämtliche Aktien zum oben genannten Kurs zurückkaufen.

Die gescheitere Übernahme hat die Aktien von Sallie schwer in Mitleidenschaft gezogen. Nachdem Lord die Telefonkonferenz in der vergangenen Woche mit den Worten „Verdammt noch mal, lasst uns hier verschwinden“ beendet hatte, haben ihn viele Investoren beim Wort genommen und damit die Erfüllung der Kontrakte herbeigeführt. Das Ergebnis: Sallie Mae muss Aktien im Wert von 905 Mill. Dollar für zwei Mrd. Dollar zurückkaufen. Und das Unternehmen gibt neue Aktien und Schuldtitel, mit den eine Wandlungspflicht verbunden ist, über 2,5 Mrd. Dollar aus, um für die Fehlspekulation zu zahlen.

Eine Kapitalverwässerung für die Aktionäre im Namen eines Aktienrückkaufs herbeizuführen, ist kein gutes Resultat. Die wichtigere Frage allerdings lautet, warum das Unternehmen mit der Risiko-Arbitrage herumgespielt hat. Wenn Aktionäre sich dem Erfolg oder Misserfolg eines Deals aussetzen wollen, dann können sie das auf eigene Faust tun. Sallie Mae ist bis heute eine überzeugende Antwort schuldig geblieben, warum die Firma bei einer riskanten Übernahme kehrtmachen musste.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%