Samsung
Wahnsinnig clever

Auf den ersten Blick erscheint es wahnsinnig, dass der Speicherkartenhersteller Sandisk die Offerte des Elektronikriesen Samsung über 5,9 Mrd. Dollar ablehnt. Schließlich ist sie mit einem üppigen Aufschlag von 93 Prozent versehen. Aber dieser Wahnsinn könnte Methode haben. Ein Zusammenschluss wäre lukrativ für Samsung, und das Interesse seitens Toshiba könnte die südkoreanische Firma dazu bewegen, mehr zu zahlen.

Auf den ersten Blick erscheint es verrückt, dass Sandisk die Übernahme-Offerte des südkoreanischen Elektronikriesen Samsung über 5,9 Mrd. Dollar ablehnt. Schließlich ist sie mit einem üppigen Aufschlag über 93 Prozent versehen. Aber der Wahnsinn des Speicherkartenherstellers könnte Methode haben. Durch einen Zusammenschluss könnte Samsung künftig von teuren Lizenzzahlungen verschont bleiben und die Kontrolle über den Flash-Speichermarkt erlangen. Dies - und der Wunsch, sich die Firma zu sichern, bevor der Konkurrent Toshiba zuschlägt - könnte ein höheres Gebot rechtfertigen.

Das Angebot von Samsung sieht umwerfend aus. Bei 26 Dollar je Aktie beläuft sich die Offerte auf fast das Doppelte des Kurses, zu dem die Sandisk-Aktien gehandelt worden waren, bevor vor zwei Wochen Gerüchte über eine Offerte an die Oberfläche drangen. Und Sandisk hat ein hartes Jahr hinter sich. Die stark sinkenden Flash Memory-Preise haben die Gewinnspannen des Unternehmens gedrückt und dafür gesorgt, dass die Titel des Unternehmens, vor der Offerte, seit vergangenem Oktober über 75 Prozent verloren haben.

Trotzdem könnte es clever von Sandisk sein, nicht auf das erste Angebot einzugehen. Zum einen wäre der Deal ein Segen für Samsung. Eine Übernahme würde den enormen Lizenzzahlungen, die Samsung für Patentrechte an Sandisk zu entrichten hat und die nach Berechnungen von Citigroup-Analysten in diesem Jahr 414 Mill. Dollar betragen werden, ein Ende setzen. Das sieht für Samsung, die einen Umsatz von 100 Mrd. Dollar ausweist, vielleicht wie Kleingeld aus. Aber der Kapitalwert des Lizenzgebührenstroms könnte sich immerhin auf rund fünf Mrd. Dollar summieren, schätzt Goldman Sachs.

Dies bedeutet, dass Samsung für weniger als eine Mrd. Dollar die Kontrolle über den Umsatz von Sandisk über fast vier Mrd. Dollar und über den Flash Memory-Markt erlangen würde. Bei Nand-Flashspeichern, wie sie in iPods und Digitalkameras eingesetzt werden, beherrscht Samsung 38 Prozent der weltweiten Kapazität und Sandisk weitere 16 Prozent. Die zusammengelegte Gesellschaft würde also mehr als die Hälfte des Marktes kontrollieren.

Toshiba hat erklärt, sie könne es nicht zulassen, dass Samsung, einer ihrer härtesten Konkurrenten, den Markt beherrscht. Und die japanische Firma könnte auch bereit sein, Sandisk selbst zu kaufen, um Samsung Einhalt zu gebieten. Es würde den Japanern zwar schwer fallen, bei den Vorteilen, die Samsung wegen der Lizenzgebühren hat, gleichzuziehen. Aber eine gereizte Offerte würde wahrscheinlich trotzdem dazu führen, dass Samsung mit einem nachgebesserten Angebot an den Verhandlungstisch zurückkehrt.

Sieht man nur den Gebotspreis, dann ist es scheinbar schierer Wahnsinn, dass Sandisk die Samsung-Offerte zurückweist. Aber vielleicht geht der Speicherkartenhersteller auch nur mutig vor. Er weiß, dass Samsung noch Spielraum hat. Und wenn Toshiba sich in den Streit einmischt, muss die südkoreanische Firma vielleicht den Beweis dafür antreten.

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