Sanierungskonzept
Chrysler: Auf der Kippe

Die Sanierung von Chrysler kann weiter gehen. Die Banken, die 70 Prozent der besicherten Schuldtitel des Autobauers halten, haben der Offerte des US-Finanzministeriums über 30 Cent zum Dollar zugestimmt. Doch die anderen 40 Kapitalgeber wollen weiter kämpfen. Chrysler könnte also Mühe haben, der Insolvenz zu entgehen.
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US-Präsident Obama hat jetzt alles, was er braucht, um Chrysler zu sanieren. Nachdem die Banken, die zusammen 70 Prozent der besicherten Schuldtitel des Autobauers halten, der Offerte des US-Finanzministeriums über 30 cts zum Dollar zugestimmt haben, kann die Umstrukturierung weiter gehen. Da allerdings die anderen 40 Kapitalgeber immer noch bereit sind zu kämpfen, könnte Chrysler Mühe haben, der Insolvenz zu entgehen.

Die Verhandlungen mit den Gläubigern von Chrysler waren von Anfang an völlig auf den Kopf gestellt. Bei einer typischen Insolvenz diktieren die besicherten Geldgeber den Prozess. Doch die unbesicherten Gläubiger des Autoproduzenten, darunter vor allem die Gewerkschaft United Auto Workers (UAW), scheinen bereit zu sein, sich einen besseren Deal zu sichern. Gemäß der laufenden Offerte wird die UAW 55 Prozent der Aktien von Chrysler erhalten. Im Gegenzug wird sie die Verbindlichkeiten über 10,6 Mrd. Dollar, die Chrysler der Gewerkschaft schuldet, halbieren. Dies impliziert die Einschätzung der UAW, dass der angeschlagene Autobauer über einen Wert des Eigenkapitals von mindestens 9,6 Mrd. Dollar verfügt.

Besicherte Kapitalgeber kommen gewöhnlich als Erste zum Zug. Da sie bei Chrysler nur einen Kredit über 6,9 Mrd. Dollar im Feuer haben, ist es ungewöhnlich, dass sie nicht vollständig ausgezahlt werden oder nicht zumindest etwas Eigenkapital erhalten, um sie für Verluste zu entschädigen. Stattdessen bietet das US-Finanzministerium lediglich zwei Mrd. Dollar in bar, die restlichen Aktien werden zwischen Fiat und der US-Regierung aufgeteilt.

Die Gewerkschaft kann den Zugang zu den Mitarbeitern von Chrysler herstellen, so dass sie vielleicht in den Verhandlungen mit der arbeitnehmerfreundlich eingestellten Regierung unter Obama mehr Druck ausüben konnte. Und es hat möglicherweise die Verhandlungsposition des US-Finanzministeriums gestärkt, dass die Banken, die besicherte Chrysler-Schuldtitel über fast fünf Mrd. Dollar halten, Geld aus dem Troubled Asset Relief Programme erhalten haben, um ihre eigenen Geschäfte zu stabilisieren.

Doch nicht alle besicherten Geldgeber sitzen in demselben Boot. Damit könnten die Hoffnungen der Regierung, Chrysler vor der Pleite zu bewahren, überschattet werden. Um die Insolvenz vermeiden zu können, müssen sich alle Kapitalgeber bis Freitag einstimmig auf den Deal einigen. Das sieht nicht sehr wahrscheinlich aus.

Diese Gruppe der besicherten Geldgeber, zu der auch drei Dutzend Hedge Fonds gehören, scheint auf eine Portion Aktien zu warten. Angesichts des armseligen Angebots des US-Finanzministeriums gehen sie wahrscheinlich davon aus, dass sie dies noch am ehesten in einem Insolvenzverfahren erzielen können. Da die Verhandlungen weitergeführt werden, ist eine überraschende Einigung in letzter Minute nicht ausgeschlossen.

Natürlich wäre die Pleite nicht das Ende der Welt für Chrysler. Die Sanierung könnte vorangetrieben werden, und zwar möglicherweise ohne einen Riesenstreit vor Gericht. Und gemäß Paragraph 363 der US-Konkursordnung müssen, wenn die Mehrheit der Schuldtitelinhaber einer Einigung zustimmt, die anderen folgen.

Da die Banken mitmachen, ist diese Schwelle erreicht. Ein Konkursantrag nach Paragraf 363 mag für vorrangige Gläubiger nicht ideal sein, da sie dazu gezwungen würden, die Offerte anzunehmen. Doch er würde ihnen zumindest die Gelegenheit geben, ihren Fall noch einmal vorzubringen - oder allgemein gegen die Heranziehung des Paragrafen 363 vorzugehen -, anstatt sich dem derzeitigen Angebot zu fügen. Dies könnte der Grund dafür sein, warum viele besicherte Gläubiger immer noch abwarten.

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