Sanofi
Die Radikalkur

Die beiden Großaktionäre von Sanofi, Total und L’Oreal, haben endlich auf den lang anhaltenden Kursverfall reagiert, der nach der verpfuschten Fusion des Pharma-Unternehmens mit Aventis eingesetzt hat. Unternehmens-Chef Gerard Le Fur ist draußen. Der Verwaltungsratsvorsitzende Jean-Francois Dehecq sollte gleich mitgehen.

Die Investoren haben einen Preis für den Kopf von Gerard Le Fur ausgesetzt: vier Mrd. Euro. Um diesen Betrag haben sie nämlich die Marktkapitalisierung von Sanofi nach oben getrieben, nachdem sich die Nachricht verbreitete, dass der Chef des französischen Pharma-Unternehmens sein Amt niederlegen muss. Nach achtzehn glücklosen Monaten am Ruder wurde Le Fur von den Großaktionären der Gesellschaft, dem Erdölkonzern Total und dem Kosmetikriesen L?Oreal, die zusammen 21 Prozent an Sanofi halten, vor die Tür gesetzt.

Für die anderen Aktionäre von Sanofi mag dieser Schritt längst überfällig erschienen sein. Nicht so sehr, weil der Aktienkurs um mehr als 30 Prozent gesunken ist, seitdem Le Fur Anfang 2007 den Chefsessel erklommen hatte. Der Kursverfall der Sanofi-Papiere hatte schon ein Jahr früher eingesetzt, als noch Jean-Francois Dehecq, der derzeit als Verwaltungsratsvorsitzender fungiert, diesen Posten einnahm. Aber als ehemaliger Chefwissenschaftler des Unternehmens kann Le Fur dafür verantwortlich gemacht werden, dass die Firma auf dem Markt ins Stolpern geraten ist und kaum noch neue Medikamente in der Pipeline hat.

Aber hauptsächlich zahlt Le Fur nun den Preis dafür, dass es einem seiner eigenen Geistesprodukte, einem Medikament gegen Fettleibigkeit, nicht gelungen war, den US-Markt aufzubrechen. Die amerikanische Prüfbehörde für die Zulassung von Arzneimitteln FDA hatte im vergangenen Jahr befunden, dass Sanofi die Sicherheit des Medikaments nicht ausreichend nachgewiesen hat.

Der Verwaltungsrat von Sanofi sollte es nicht bei der Entlassung von Le Fur bewenden lassen. Seit drei Jahren leidet Sanofi unter der verpfuschten Umsetzung der feindlichen Übernahme des französischen Rivalen Aventis. Es war Dehecq, der diesen Deal eingefädelt hatte. Nachdem er skrupellos Manager von Aventis eliminiert hatte, regierte er mit seinem eigenen kleinen Hofstaat weiter. Dehecq kümmerte sich wenig um die Anliegen seiner Aktionäre, darunter auch Total, die seit einem Jahr ihren 13prozentigen Anteil verkaufen wollte. Aber letztendlich ist es den Aktionären doch noch aufgefallen.

Im Jahr 2004 hatte der damalige französische Finanzminister Nicolas Sarkozy den schweizerischen Pharma-Riesen Novartis davon abgehalten, Aventis zu Hilfe zu eilen. Es sieht so aus, als hätte Sarkozys Intervention die Sanofi-Aktionäre einiges gekostet: Das Unternehmen wird mit der Hälfte des Vielfachen des für 2009 erwarteten Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen seines Konkurrenten aus der Schweiz bewertet.

Ein drastischer Schritt war notwendig. Aber es ist schwer einzusehen, warum neben Le Fur nicht auch Dehecq des Amtes enthoben werden sollte.

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