Santander/BMPS
Italien setzt zu große Hoffnung auf Santander

Gerüchten zufolge soll der spanische Riese ein Auge auf die klamme Monte dei Paschi geworfen haben. Und allem Anschein nach ist die italienische Bank tatsächlich billig zu haben. Aber Santander hat schon Schwierigkeiten, seine jüngsten Übernahmen zu integrieren. Und nach der Kehrtwende bei der Kapitalaufnahme hat Santander zudem an Glaubwürdigkeit verloren.

Rom wird von Gerüchten überschwemmt, Santander habe ein Auge auf Monte dei Paschi di Siena (BMPS), die drittgößte italienische Bank, geworfen. Die Spanier haben gerade erst eine Kapitalerhöhung um 7,2 Milliarden Euro hinter sich gebracht, die durch hohe Preisabschläge erkauft werden musste. Jetzt spekulieren Marktbeobachter, ein Teil der Einnahmen könnte in eine Beteiligung an der Siena-Bank fließen. Aber die Italiener setzen zu große Hoffnung auf Spanien.

Es ist nicht schwer zu verstehen, warum Santander in Versuchung geraten könnte. Die Marktkapitalisation der gesamten BMPS liegt heute um 5 Prozent unter dem Preis, den die Bank noch vor einem Jahr für die Übernahme der kleinen norditalienischen Bank Antonveneta an Santander bezahlte. Der teure Einkauf von Antonveneta führte bei BMPS zu einem anhaltenden Liquiditätsengpass. BMPS hoffte bis zum jetzigen Zeitpunkt 150 Zweigstellen verkaufen zu können, fand allerdings bisher keinen Käufer. Durch diese Verzögerung könnte die Tier-1-Eigenkapitalquote bis zum Jahresende auf knapp über 5 Prozent sinken. Eine Kernquote, die im heutigen Marktumfeld deutlich unterhalb der Akzeptanzgrenze liegt.

Auch mit einem staatlichen Rettungspaket kann BMPS kaum rechnen. Finanzminister Giulio Tremonti sträubt sich gegen öffentliche Unterstützungszahlungen für Banken. Dagegen, so heißt es, sei das Klima zwischen der Bankenstiftung, die mit 55 Prozent an BMPS beteiligt ist, und Santander gut.

Die spanische Bank übernahm zu einem früheren Zeitpunkt in diesem Jahr bereits einen Anteil von einem Prozent an BMPS. Durch eine geschickt vorbereitete Kapitalerhöhung könnte Santander ihren Anteil erhöhen, ohne die Stiftung abzulösen. Das wiederum dürfte der italienischen Regierung gefallen, die ihre Unternehmen gern weiter in der Hand von Italienern sieht. Auch Santander-Chef Emilio Botin, der schon lange davon träumt, Italien seinen Stempel aufzudrücken, könnte an einem solchen Geschäft Gefallen finden.

Nach Berichten aus gut informierten Kreisen ist es allerdings unwahrscheinlich, dass Santander diesen Schritt macht. Als Eigentümer eines signifikanten Aktienanteils könnte Santander Einfluss auf die Geschäftstätigkeit von BMPS nehmen wollen. Das jedoch würde das Management der spanischen Bank überfordern, das schon zuhause und bei den Neuakquisitionen in den USA, Brasilien und Großbritannien große Herausforderungen zu meistern hat.

Eine heute vielleicht noch größere Rolle spielt das fehlende Vertrauen der Investoren, von dem Santander ein Gutteil verloren hat. Die Bank verspielte das Anlegervertrauen mit einer Kehrtwende - sie überraschte den Markt mit einer 7,2-Milliarden-Euro-Kapitalerhöhung nachdem sie zuvor angab, keine frischen Mittel zu benötigen. Die Zuflüsse sollen ausdrücklich nicht in neue Akquisitionen fließen. Santander tut gut daran, zu diesem Wort zu stehen. Für BMPS heißt das, nach einer anderen Lösung zu suchen.

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