Santander
Hypotheken-Wette könnte im Sande verlaufen

Die spanische Bank bietet an, umfangreiche Teile ihrer durch inländische Hypotheken besicherten Kreditpapiere mit einer kleinen Prämie auf den Marktpreis zurückzukaufen. Noch vor nicht allzu langer Zeit hätten Investoren ihr die Hand dafür abgerissen. Aber inzwischen wird die Bank feststellen müssen, das das Anlegerprofil für diese Art von Schulden wesentlich anspruchsvoller geworden ist.
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Spanische Immobilien gehörten zu den dramatischsten Verkäufen während der Krise. Jetzt bietet Santander an zu kaufen. Aber noch dürften viele Investoren lieber auf Halten setzen.

Die größte spanische Bank bietet den Eigentümern von durch Inlandsimmobilien besicherten Wertpapieren im Wert von 16,5 Milliarden Euro die Gelegenheit, sich von ihren Papieren zu trennen. Im Rahmen des Geschäfts, dass in Europa zum ersten Mal in dieser Größenordnung angeboten wird, ist Santander bereit, 27 Serien der von ihr emittierten Schuldtitel mit einem geringfügigen Aufpreis auf den Börsenkurs anzukaufen. Ihr Kaufangebot liegt zwischen 61 und 96 Prozent des Nominalwerts der Papiere.

Der Rückkauf der Schulden ist aus der Sicht Santanders vernünftig. Sie muss damit noch nicht der Meinung sein, dass der Immobilienmarkt inzwischen das Schlimmste hinter sich hat, aber sie ist mit Sicherheit davon überzeugt, dass die Wertpapiere inzwischen billig genug gehandelt werden, um daraus Profit zu schlagen. Das Angebot, gleich einen so großen Teil zu übernehmen, ist außerdem gute Werbung für die Liquiditätssituation der Bank. Und ein Rückkauf des Gesamtpakets könnte, abhängig vom Preis, die Tier-1-Eigenkapitalquote der Bank um Pi-mal-Daumen 30 bis 50 Basispunkte verbessern.

Aber Santander kommt vielleicht schon ein bisschen zu spät, um den Deal voll auszukosten. Der Markt für vermögensbesicherte Wertpapiere (asset backed securities, ABS) zeigt bereits wieder Erholungstendenzen. Hinzu kommt, dass sich die Eigentümerstruktur der ABS nach Aussage von Händlern verändert hat. Problemkredit-Fonds werden versuchen, ihre Papiere auf einen Schlag zu verkaufen, wenn die Kurse wieder näher am Nominalwert liegen. Und viele Banken haben solche Wertpapiere aus ihren Handelsbüchern ausgetragen und führen sie stattdessen in den Anlagekonten. Der Anreiz, sie vor Fälligkeit zu verkaufen, dürfte dementsprechend gering sein.

Rabobank wurden vor zwei Monaten lediglich 10 Prozent der Werte angedient, die die Bank im Rahmen eines großen Rückkaufprogramms ihrer eigenen hypothekenbesicherten Wertpapiere auslösen wollte . Die Unsicherheit über den weiteren Kurs der spanischen Wirtschaft könnte bewirken, dass Santander mehr Glück hat, Investoren zu finden, die liebend gern verkaufen wollen, als der holländische Konkurrent. Auf einen wilden Ansturm sollte die Bank allerdings nicht hoffen.

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