Santander und die USA
Alles muss raus

Santander wollte schon immer in den USA wachsen und die spanische Bank könnte über die notwenige Finanzkraft verfügen, dies auch umzusetzen. Aber ihr Deal mit Sovereign Bancorp macht andere Akquisitionen vielleicht zu einer kniffligen Angelegenheit. Zudem könnten Santander die Synergien, die andere US-Bieter vorweisen können, fehlen - und der Appetit auf giftverseuchte Bilanzen.

Santander wollte schon immer in den USA wachsen. Da die Banken jenseits des Atlantik implodieren, könnte die Zeit für die spanische Bank gekommen sein, um dort auf Schnäppchenjagd zu gehen. Schließlich sind nur noch herzlich wenige Kreditinstitute übrig, die stark genug sind, um ihren kollabierenden Branchenkollegen zur Hilfe zu kommen. Santander, mit einem Eigenkapital von 55 Mrd. Euro und einem akquisitionsfreudigen Management, ist eine von ihnen. Berichten zufolge gehört sie zu der Gruppe von fünf Banken, die ein Auge auf die taumelnde US-Sparkasse Washington Mutual geworfen hat.

Sicherlich hat sich Santander in den USA bereits heftig die Finger verbrannt. Der Wert ihres 25prozentigen Anteils an Sovereign Bancorp, den Santander 2005 erworben hatte, ist in den Keller gerauscht. Santander musste dem wankenden Kreditinstitut aus Philadelphia eine zusätzliche Liquiditätsspritze verabreichen, nur damit die Bank sich über Wasser halten konnte.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Konditionen des ursprünglichen Abschlusses die Fähigkeit von Santander beschneiden, in Amerika weitere Deals durchzuziehen. Die Spanier können erst dann eine weitere Bank kaufen, die innerhalb des Aufgabengebiets von Sovereign agiert - und dies würde auch Wachovia betreffen -, wenn sie zuvor ein Minimum von 40 Dollar je Aktie für die restlichen Anteile an Sovereign hingeblättert haben. Die Aktien werden derzeit bei knapp über sieben Dollar gehandelt. Aber Santander könnte sich theoretisch aus der Verpflichtung befreien, wenn Sovereign dem zustimmt.

Die Kernkapitalquote von Santander ist mit 6,3 Prozent nicht so furchtbar stark. Aber die Bank hat sich nicht gescheut, vor ein paar Wochen für die Deutsche Postbank 8,7 Mrd. Euro in bar zu bieten. Um sich die nötigen Mittel zu verschaffen, verfügt sie über ein paar Vermögenswerte, die verkauft werden können. Die Bereiche Asset Management und Versicherung könnten zusammen fünf Mrd. Euro einbringen. Santander ist zudem mit 31 Prozent an der spanischen Raffinerie Cepsa beteiligt, was nach Schätzung von Analysten einen Kapitalgewinn von über zwei Mrd. Euro hervorbringen könnte.

Aber die Spanier werden in den USA vorsichtig vorgehen müssen. Schließlich sind sie immer noch dabei, ihre jüngsten Deals in Großbritannien und Brasilien zu verdauen. Außerdem hat die Bank keine Synergien vorzuweisen, um mit JPMorgan - einem weiteren möglichen Retter von WaMu - und anderen US-Instituten konkurrieren zu können. Und schließlich mag Santander Bedenken haben, sich giftverseuchte Bilanzen aufzuhalsen - besonders bevor nicht die Einzelheiten des Rettungsplans der US-Regierung über 700 Mrd. Dollar klarer zu Tage treten.

Selbst miserable Bilanzen haben ihren Preis. Wenn aber die US-Behörden freundlich gesinnte Banken dazu aufrufen würden, bei weiteren Rettungen behilflich zu sein, könnte die einmal gebrannte Bank vielleicht ihre Zurückhaltung überwinden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%