Satellitenradio
Virtuelle Trugbilder und die FCC

Es ist schon schlimm genug, wenn Sirius und XM Satellite stolz herumposaunen, dass Gruppen wie „Frauen in der Landwirtschaft“ ihre Fusion unterstützen. Aber die Fusionsgegner aus dem Rundfunklager haben ein Eigentor geschossen, als sie den Aufsichtsbehörden tausende von E-Mails dubiosen Ursprungs geschickt haben.

Nicht viele Dinge sind lächerlicher als die Howard Stern-Show - der Public Relations-Kampf um die geplante Fusion von Sirius und XM Satellite allerdings schon. Abgesehen davon, dass er unterhaltsamer ist als die kontroversen Ansichten eines müden Radio-Provokateurs, bietet das Theater auch noch ein bisschen Erbauung.

Es steht einiges auf dem Spiel. Legt man die beiden finanziell instabilen Satellitenradiofirmen zusammen, bekommt man ein viel stärkeres Unternehmen. Nach Schätzungen der Research-Abteilung von Lehman würden die Synergien vielleicht 1,3 Mrd. Dollar jährlich betragen. Das ist mehr als die Einnahmen der beiden Stationen im vergangenen Jahr zusammen. Und ein Wettbewerber mit mehr Muskeln ist das Letzte, was sich traditionelle Radio-Gruppen wünschen. Als die US-Branchenaufsicht Federal Communication Commission (FCC) zu Anmerkungen über die geplante Fusion eingeladen hat, haben sich daher beide Seiten mit Volldampf ans Werk gemacht.

Sirius und XM haben jede nur erdenkliche Gruppe, die die Fusion unterstützt, hervorgezaubert. So zogen etwa die Liga der Vereinigten Lateinamerikanischen Bürger und die Frauen in der Landwirtschaft stolz für die Satellitenradio-Fusion ins Feld.

Aber die Fusionsgegner aus dem Rundfunklager haben wirklich ein Eigentor geschossen, als sie tausende von E-Mails an die Kommunikationsaufsicht geschickt haben. Die meisten der Verfasser, die man zurückverfolgen konnte, haben Zeitungsberichten zufolge abgestritten, die Nachrichten verfasst oder überhaupt davon gewusst zu haben, dass eine Fusion zur Diskussion stand.

Briefe zu schreiben ist anstrengend, das fällt einem nicht so leicht – was bedeutet, dass der Empfänger die Ansichten des Schreibers vermutlich ernster nehmen wird. Aber nur dann, wenn die Briefe auch echt sind. Wenn nicht, kann der raffinierte Plan nach hinten losgehen - und die Glaubwürdigkeit komplett untergraben. Während die Taktik, Kommentare zur Fusion zu sammeln, auf beiden Seiten dubios erscheint, lässt die Vorgehensweise der traditionellen Rundfunksender doch auf eine größere Verzweiflung schließen. Das könnte jetzt den Aussichten der Fusion aufhelfen – und so wäre es auch am besten. Die Radiogesellschaften scheuen vielleicht den Wettbewerb durch einen stärkeren Konkurrenten, aber die Kommunikationsaufsicht sollte ihn fördern. Die FCC sollte die Fusion unterstützen.

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