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Tele Atlas und Navteq, die Hersteller digitaler Kartensysteme, werden an der Börse mit einem deutlichen Abschlag auf ihren voraussichtlichen Übernahmekurs gehandelt. Der Diskont ist der gründlichen kartellrechtlichen Überprüfung der Deals zu verdanken. Aber die Wettbewerbshüter werden sich wohl mit TomTom und Nokia einigen können.

Investoren haben offensichtlich wenig Vertrauen in die Übernahmen von Tele Atlas und Navteq. Die Aktien der Digitalkarten-Produzenten werden mit hohen Abschlägen auf ihre vorgeschlagenen Kaufpreise gehandelt. Tele Atlas bewegt sich um die 25 Euro pro Aktie und damit deutlich unterhalb TomToms Kaufangebot zu 30 Euro, Navteq schloss in New York am 26. März bei 70 Dollar, also ebenfalls südlich des Nokiagebots von 78 Dollar. Die Ängste könnten grundlos sein.

Die Ursache für die Sorgen der Investoren liegt im Wettbewerbskontrollverfahren. Die Europäische Kommission hat bereits eine weitreichende Phase-II-Prüfung des von TomTom vorgeschlagenen Tele-Atlas-Kaufs für 2,9 Milliarden Euro eingeleitet. Die Kommission wird voraussichtlich auch eine Phase-II-Prüfung des Nokia-Gebots über 8,1 Milliarden Dollar (5,1 Milliarden Euro) für die Navteq-Übernahme anordnen, nachdem der finnische Mobilfunkbetreiber Auflagen ablehnte. Beide Verträge werfen schwierige Wettbewerbsfragen auf. Sie bilden die Grundlage für vertikal integrierte Unternehmen, die Hard- und Software für Navigationssysteme kontrollieren. Die Wettbewerbshüter befürchten, dass ein Navteq-Tele-Atlas-Duopol, das an Hardwareproduzenten gebunden ist, zu steigenden Preisen für die Konsumenten führt.

Allerdings verhindert die Europäische Kommission Zusammenschlüsse selten, zumal sie in den vergangenen Jahren nach einigen gerichtlichen Niederlagen vorsichtiger geworden ist. Dagegen sind an bestimmte Bedingungen geknüpfte Kompromisse wahrscheinlich. TomTom führt ins Feld, dass seine engen Kundenbeziehungen Tele Atlas helfen werden, sein Kartenmaterial zu verbessern. TomTom bot auch an, Tele Atlas als einen eigenständigen Geschäftszweig weiterzuführen. Die Kartellbehörden haben dieses Angebot abgelehnt. TomTom muss in dieser Woche neue Vorschläge unterbreiten. Zu den möglichen Ansätzen gehört die Bildung eines unabhängigen dritten Unternehmens, die Schaffung eines unabhängigen Vertriebs für die Tele-Atlas-Inhaltsangebote oder auch der erzwungene Verkauf von Tele-Atlas-Kartendaten.

Die letzte Option ist besonders drakonisch. Sie könnte zu einer Abwertung von Tele Atlas führen und TomTom veranlassen, Abstand von dem Geschäft zu nehmen. Aber TomTom hat seine Strategie auf Tele Atlas abgestimmt und das Management wird nahezu alles daran setzen, das Geschäft auch unter Dach und Fach zu bringen. Nokia wird abwarten, wie sich der Deal entwickelt, bevor das Unternehmen eigene Konzessionen anbietet. Die Nervenkrise der Anleger scheint vor dem Hintergrund der letzten Endes zu erwartenden Zustimmung der Wettbewerbsbehörden übertrieben.

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