Saudi-Arabien
Kostspielige Freunde

Saudi-Arabien ist dem Zinsschritt der Fed gefolgt und hat seinen Tagesgeldsatz auf zwei Prozent gesenkt. Das hört sich angesichts einer Inflationsrate von zehn Prozent verrückt an. Aber die Saudis machen sich größere Sorgen darum, ihre Freunde in Washington zu verlieren. Die Mindestreserveanforderungen sollen als Verteidigungsmittel der Wahl gegen die Teuerung fungieren. Das wird nicht einfach.

Wenn die Devisenmarktpolitik nur von monetären und wirtschaftlichen Überlegungen bestimmt werden würde, dann würde Saudi-Arabien das Klassenziel nicht erreichen. Die Entscheidung vom Samstag, den Tagesgeldsatz auf zwei Prozent zu senken – angesichts einer Inflation von zehn Prozent -, legt nahe, dass es dem Königreich vor allem darum geht, den Freundschaftstest mit den USA zu bestehen.

Die Saudi Arabian Monetary Agency (Sama) ist ihrer 1986 eingeführten Politik treu geblieben, die Zinsentwicklung in den USA nachzubilden, um die Bindung des Riyal an den Dollar zu unterstützen. Das war vielleicht einmal ein vernünftiger Ansatz, sieht jetzt aber ökonomisch sinnlos aus. Der schwache Dollar drückt die Importpreise nach oben – die Quelle der Teuerung in einem Land, das, abgesehen von Rohöl, immer noch relativ wenig produziert.

Der globale geldpolitische Impuls ist so stark, dass höhere inländische Zinsen und ein viel höherer Riyal eine niedrige Inflation in Saudi-Arabien zwar nicht garantieren können. Aber sie könnten doch dazu beitragen, weil dadurch die Preise amerikanischer und asiatischer Einfuhren verringert und die spekulative Kreditvergabe reduziert werden würden.

Eine Loslösung von der US-Währung wäre auch langfristig sinnvoll, selbst wenn ein hoher einmaliger Verlust bei auf Dollar lautenden Wertpapieren in saudi-arabischem Besitz über 420 Mrd. Dollar zu verkraften wäre, wie die SABB Bank vorrechnet. Die amerikanische Vorliebe für niedrige Zinsen und große Handelsbilanzdefizite deutet auf eine anhaltende Dollar-Schwäche hin. Zudem ergibt es keinen Sinn, den Riyal ausschließlich an ein Land zu koppeln, das nur rund 20 Prozent sowohl der Exporte als auch der Importe ausmacht.

Die politische Logik der Saudi-Araber zielt allerdings unmissverständlich darauf ab, Washington zu gefallen. Die USA liefern Militärausrüstung, außenpolitische Unterstützung und ein unbeirrbares Engagement für die Herrscherfamilie, die sonst vielleicht im eigenen Land auf Unzufriedenheit stoßen würde.

Was die USA währungspolitisch wollen, ist klar. Während China den Yuan aufwerten soll, um seinen Handelsbilanzüberschuss abzubauen, sollten die Erdölexporteure in der Dollar-Zone bleiben. Also haben die Saudis die niedrigen US-Zinsen am Hals.

Die zuständigen Behörden des Königreichs tun, was sie können. Die Sama hat die Reserveanforderungen für die Banken erhöht und die Regierung hält an einem gewaltigen Überschuss fest, der sich in diesem Jahr auf mehr als 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts belaufen könnte. Da aber die besten Waffen – Zinsen und Wechselkurse – außerhalb ihrer Reichweite liegen, ist der Sieg im Kampf gegen die Inflation alles andere als sicher.

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